Freitag, 3. Juni 2011

Der Fall Goslar, Geschlechterpolitk und die Männervereine - ein maskulistischer Kommentar

In den letzten Monaten und insbesondere in den letzten Wochen hat sich der Fall rund um die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling dramatisch zugespitzt und gipfelte in einer für die femigenderistische Ideologie entlarvende, öffentliche Debatte. Da diese abgewählte Gleichstellungsbeauftragte von Teilen der Männerrechtsbewegung aktiv und öffentlichkeitswirksam unterstützt wurde, erhalten diese Geschehnisse nicht nur eine historische, sondern auch eine interne Brisanz, welcher wir uns heute widmen möchten.

Denn die offene Unterstützung einer Trägerin der deutschen Geschlechterpolitik steht so ziemlich diametral zu allem, wofür der Maskulismus seit Jahren eintritt. Die Frau Ebeling mag ein reines Herz haben und die Einseitigkeit des Feminismus sehen - doch auch sie vertritt die Vorstellung, dass staatliche Geschlechterpolitik nötig und sinnvoll sei.

Es wird also deutlich, dass durch die aktive Unterstützung einer (unorthodoxen) Vertreterin der deutschen Gleichstellungspolitik durch gewisse Elemente innerhalb der Männerrechtsbewegung eine weltanschauliche Gespaltenheit in Sachen Geschlechterpolitik zwischen den verschiedenen Männervereinen zu Tage tritt. Wir werden uns also den Fall Goslar als Vorwand nehmen, diese Gegensätze auszuleuchten um somit einen vertieften Einblick in die Struktur der äusserst heterogenen, deutschsprachigen Männerrechtsbewegung zu gewinnen.

Der Fall Goslar

Zu den Ereignissen rund um Frau Ebeling gibt es auf Wikimannia eine umfangreiche Linksammlung und eine Zusammenstellung der Ereignisse, ausserdem führte Arne Hoffmann auf seinem Blog eine Art Tagebuch zu den verschiedenen Vorfällen. Zusätzlich kann man die Vorfälle aus der Sicht von Monika Ebeling auf ihrem Blog "Geschlechterdemokratie" nachlesen. Wir wollen uns nun den Fall und die verschiedenen Reaktionen darauf anschauen.

Monika Ebeling, geborene Dittmer, war Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar und wies im Gegensatz zur normalen Gleichstellungsbeauftragten nicht die typische, staatsfeministische Einseitigkeit auf (eine andere, vermutliche Ausnahme in diesem Bereich ist eine gewisse Gleichstellungsbeauftragte namens Susanne Wilder). Obwohl auch sie den "Neuen Mann" herbeibeschwört, wie man in diesem Video zu hören bekommt, kritisiert sie auch die Einseitigkeit des deutschen Staatsfeminismus, die alte Bitterfotze Alice Schwarzer, die platte Rhetorik der Lohndiskriminierungslüge, die Diffamierungsversuche des ungläubigen Thomas und lehnt Frauenquoten ab. Auch begrüsste sie das erste internationale Antifeminismustreffen und weist auf die Arbeit von Agens e.V. und anderen Männervereinen hin.

Sie weigerte sich eine Ausstellung zum Thema häuslicher Gewalt zu unterstützen, welche Männer einseitig als Gewalttäter und Frauen nur als Opfer von häuslicher Gewalt porträtierte, da sie um die Gleichverteilung der Geschlechter bei der häuslichen Gewalt weiss. Auch kritisierte sie eine weitere staatsfeministische Aktion, bei der Brötchenverpackungen für Kinder mit einseitigen Vorstellungen über die Urheberschaft von häuslicher Gewalt bedruckt wurden. Sie eröffnete ein Väter-Café und organisierte Papa-Picknicks. Sie führte zusammen mit Agens e.V. Veranstaltungen durch, an denen diskutiert wurde, ob der Feminismus "noch zu retten" ist. Heftig und gut begründet kritisierte sie die feministischen Missstände in deutschen Frauenhäusern (siehe am Ende des pdf-Dokuments!)

Im massiv ideologisierten Umfeld des deutschen Staatsfeminismus wurde sie deswegen sehr schnell die Zielscheibe von Mobbing und Hassattacken durch feministische Netzwerke, die Angst um Fördergelder und ihre Deutungshoheit hatten:, aus naheliegenden Gründen:

"Gleichstellung ist in Deutschland fest verankert. Es gibt ein dichtes Netz von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, von Beratungsstellen und Gruppen in Gewerkschaften und Institutionen. Die meisten leben davon, für die Gleichstellung der Frau zu kämpfen, schon aus ihrer Geschichte heraus."

Dies bestätigt auch Monika Ebeling in 'Die Freie Welt':

"Die Fördertöpfe der sogenannten „positiven Diskriminierung von Frauen“ werden herrisch bewacht und mehr als ungern geschlechtergerecht geteilt. Die in den weiblichen Netzwerken warm eingepackte Frauenlobby will von einem Wandel oder gar einer männlichen Diskriminierung so gut wie nichts wissen."

Grüne und Linke liessen den Konflikt eskalieren, nachdem Frauenverbänden der Kragen geplatzt war und beantragten die Abberufung dieser umstrittenen Gleichstellungsbeauftragten ("Diese Gleichstellungsbeauftragte muss gehen!"). Schwer angelastet wurde ihr auch die Verlinkung des Väternotrufs auf der Internetpräsenz von Goslar.

Sie warfen ihr vor, dass sie sich nur (!) für Männer einsetzen würde. Dies ist nachweislich falsch, wie man aus offiziellen Unterlagen herauslesen kann, welche klar belegen, dass sich Monika Ebeling für beide Geschlechter eingesetzt hat und was auch anderen Politikern aufgefallen ist. Es ist erstaunlich den Vorwurf der Einseitigkeit aus den Mündern von Vertretern einer gynozentrischen Geschlechterpolitik zu hören, welche richtige Förderung nur Frauen gewähren und Männern lediglich bei ihrer staatlichen Umerziehung fördern. Von Menschen, welche im Geiste des folgenden Satzes der ehemaligen deutschen Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin denken und handeln:

»Männer sollen durch die Wehrpflicht gehindert werden, damit Frauen im Leben aufholen können.«

Klar wird die ideologische Einseitigkeit des heutigen, institutionalisierten Feminismus in einem Statement der Grünen, welche für ihr abartig männerfeindliches "Frauenstatut" bekannt ist:

"[...] das Wirken der Gleichstellungsbeauftragten [Ebeling] ist mittlerweile von unseren Vorstellungen weit entfernt. Ihren bisherigen Tätigkeiten nach will sie Benachteiligung von Männern aufzeigen und „beseitigen“ – dies ist nicht unser politischer Wille [...]."

Dies ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie massiv Männer in Deutschland wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit durch das Gesetz und durch offizielle Stellen diskriminiert werden. Man hat also nicht nur die Augen für die handfesten Benachteiligungen der Männer fest verschlossen, sondern hat auch noch Mühe diese überhaupt als solche anzuerkennen (man beachte die Anführungszeichen um 'beseitigen'), geschweige denn dass man diese abschaffen will. Wie ideologisch verbohrt und einseitig muss man sein, um deutlich nachweisbare Diskriminierungen qua Geschlecht durch Staat und Gesetz (!) nicht angehen zu wollen?

So deutlich tritt die Einseitigkeit der feministischen Ideologie selten zu Tage!

Es ist somit auch nicht verwunderlich, dass Frau Ebeling in solch einem ideologischen Umfeld abgewählt und entlassen wurde. Diese demonstrative Einseitigkeit führte jedoch auch dazu, dass die Vorfälle in Goslar von den Medien negativ aufgenommen wurden und resultierte in heftige Kritik am herrschenden Feminismus. Der Gesamtton war überwältigend negativ und viele Blätter störten sich an dieser ideologisch getriebenen Hexenjagd.

Agens e.V. solidarisierte sich in einer Pressemitteilung mit Frau Ebeling. Auch Manndat solidarisierte sich umgehend mit ihr und kritisierte die feministische Einseitigkeit der aktuellen Geschlechterpolitik. Der Väteraufbruch für Kinder schrieb einen offenen Brief an den Stadtrat von Goslar mit der Bitte um eine "ausgewogene Gleichstellungspolitik". Die Sympathisanten und Aktivisten dieser Vereine wurden derweil in ganz Deutschland und im Internet mit Unterstützungsaufrufen, mehreren Interviews mit Frau Ebeling und dem Schreiben von Protestbriefen aktiv. Diese gaben den Vorfällen Namen wie "Schlacht um Goslar" oder "Krieg der Bitterfotzen" (angelehnt an ein feminismuskritisches Werk aus Schweden).

Die IGAF hingegen prangerte zwar die Entlassung von Frau Ebeling an und René Kuhn führte ein Interview mit ihr, beliess es aber ansonsten dabei. Auch Maskulisten wie Michail A. Savvakis äusserten sich nicht gross zu diesen Vorfällen, während Männervereine wie Agens e.V., Manndat und VafK sich öffentlich mit Frau Ebeling solidarisierten und sie besonders aktiv unterstützten.

Position des Maskulismus zur Geschlechterpolitik

Der Maskulismus, wie ihn Savvakis nieder geschrieben hat, lehnt den Staatsfeminismus und jegliche staatliche Umerziehung klar ab. Denn sobald eine Minderheit anfängt, mit staatlichen Mitteln der Mehrheit ihre Vorstellungen von Geschlechtlichkeit aufzuzwingen, wird es auf ewig Einseitigkeit durch Parteilichkeit und Ungerechtigkeit durch selektive Problemwahrnehmung geben. Dafür gibt es zahllose Gründe.

- Geschlechterpolitik verschärft zwangsläufig den Antagonismus geschlechtlicher Interessen:

Die Interessen von Männern und Frauen sind in den meisten Fällen einander entgegen gerichtet, so dass ein Vorteil für die eine Partei immer ein Nachteil für das andere Geschlecht bedeutet. Jeder künstliche Eingriff durch den Staat verschlimmert diesen Antagonismus nur noch weiter, da eine Geschlechterpolitik sich zwangsläufig auf eine Seite der Geschlechter schlagen und das andere Geschlecht benachteiligen muss. Das aktuellste Beispiel dafür ist die Gleichstellungspolitik in Deutschland.

Will man wirklich Gerechtigkeit und nicht einfach ideologische Klientelpolitik, so muss man diesen Antagonismus nicht noch durch zusätzliche Eingriffe weiter anfachen, sondern durch rein gesetzliche Rahmenbedingungen in Form einer wahren Gleichberechtigung dafür sorgen, dass dieser Antagonismus nicht ausartet. Jedoch vollständig abschaffen wird man ihn auch dadurch nie können - allerdings wird eine rein gesetzlich fixierte wahre Gleichberechtigung ihn nicht auch noch schlimmer machen, im Gegensatz zu den Instrumenten der Geschlechterpolitik.

- Geschlechterpolitik endet zwangsläufig in Einseitigkeit und führt unweigerlich zu mehr Diskriminierung: 

Die Einseitigkeit jeglicher Geschlechterpolitik ist unausweichlich wegen diesem Antagonismus. Denn die Betreiber sind aufgrund begrenzter Ressourcen dazu gezwungen, Prioritäten festzulegen und diese weltanschaulich zu rechtfertigen. Fahren sich diese Prioriäten fest und werden sie ideologisch unterwandert, werden die Protagonisten unweigerlich ihre Objektivität verlieren und drängende Fälle von Diskriminierung von nicht im Fokus stehenden Gruppen ausklammern (müssen).

Im konkreten Fall der deutschen Geschlechterpolitik resultiert dies in einer Diskriminierung der Männer nach Geschlecht, denn ihre Anliegen werden nur wegen der Geschlechtszugehörigkeit ausgeklammert. Man sieht, dass Geschlechterpolititk somit zwangsläufig zu Einseitigkeit und zu noch mehr Diskriminierung führt, obwohl sie sich anfänglich vornahm, gerade diese zu "überwinden". Denn all die angepriesenen Massnahmen zur Überwindung von Diskriminierung sind in ihrem Endresultat schlussendlich so gut wie wirkungslos, weil sie bewusst die Eigenverantwortung des Individuums zu Gunsten der Gruppenzugehörigkeit ausklammert.

Oder glaubt jemand ernsthaft, dass es tatsächlich gläserne Decken da draussen gibt, welche Frauen daran hindern, Karriere zu machen? Oder ist es vielmehr die Tatsache, dass Frauen nunmal schlichtweg viel seltener Karriere machen wollen? Da nützt auch die tollste Frauenquote nichts, wenn es zu wenig willige und kompetente Frauen zur Besetzung der verantwortungsbehafteten Positionen gibt. Dies führt dann zu bizarren Fällen von einem kleinen Klüngel von Frauen, welche zahllose Aufsichtsratsposten anhäufen ("Goldröcke") oder deren Aufgaben nach dem Verschwinden der Quotenfrau noch schnell von einem Mann neben seinem eigenen Job erledigt werden. Dies geschah zum Beispiel bei der verstorbenen Frau Schneider-Lenne, deren Aufgaben als "Kreditrisiko-Expertin" nach ihrem Tod einfach von Josef Ackermann neben seiner eigenen Tätigkeit übernommen wurden.

Das muss ja eine wichtige Expertin mit gewichtigen Aufgaben gewesen sein!

- Geschlechtliche Gleichverteilung bedeutet nicht automatisch gleicher Einfluss:

Vielfach wird damit argumentiert, dass man lediglich zwischen den Geschlechtern in einem Bereich "ausgleichen" möchte, zum Beispiel mit Frauenquoten oder mit männerbenachteiligender Frauenförderung. Doch einerseits werden "problematische" Bereiche nach ideologischer Willkür ausgewählt (so zum Beispiel nur die Dax-Vorstände, jedoch nicht die Müllabfuhr) und zusätzlich wird noch ein sehr selektives Verständnis von "Ausgleich" und von Gerechtigkeit angewendet. Vielfach wird auch kein valider Beweis erbracht, dass eine geschlechtliche Ungleichverteilung tatsächlich auf Diskriminierung zurückgeht und nicht einfach an der fehlenden Leistungsbereischaft oder mangelndem Interesse liegt. So ist es zum Beispiel allgemein bekannt, dass Frauen nicht im gleichen Ausmass Karriere machen wollen wie Männer. Dass daraus eine Ungleichverteilung in Kaderpositionen entsteht, ergibt sich quasi von selbst.

Eine Gleichverteilung der Geschlechter an sich ist kein Zeichen für erreichte Gerechtigkeit, wenn diese Gleichverteilung durch ausschliessende, rein nach dem Geschlecht benachteiligende Zwangsmassnahmen durchgesetzt werden müsste. Schliesslich garantiert auch eine Gleichverteilung der Geschlechter in einem Gebiet nicht automatisch auch die Gleichverteilung von Macht zwischen den Geschlechtern. Denn durch die soziale Dynamik und durch Absprachen wird es immer eine Machtkonzentrierung geben, die sich über geschlechtliche Grenzen und Verteilungen hinwegsetzt.

- Geschlechterpolitik mündet zwangsläufig in eine geschlechtsidentitäre Bevormundung:

Jede Geschlechterpolitik hüllt sich zu Anfang in wohlwollenden, gut klingenden Absichtserklärungen und Massnahmen, die jedoch im Verlaufe der Jahre in immer dogmatischeren und intoleranteren Vorstellungen von Geschlechtlichkeit münden werden. So fing auch die feministische Geschlechterpolitik mit der "harmlos" klingenden Absichtserklärung an, dass man Frauen lediglich kurzfristig dabei helfen möchte, sich in der Gesellschaft behaupten zu können (Umsetzung der "tatsächlichen Gleichstellung") - heute betreiben die gleichen Institutionen handfeste geschlechtliche Umerziehung von Männern und Frauen.

Denn die klassische Frauenförderung, wie sie früher betrieben wurde, war an der Realität gescheitert, denn man kann nicht Menschen fördern, die kaum bereit sind, im gleichen Ausmass wie Männer Karriere zu machen. Daraus zog der Staatsfeminismus die wahnhafte und fatale Schlussfolgerung, dass diese Fördermassnahmen deshalb gescheitert waren, weil "diffuse, aufgezwungene Vorstellungen von Geschlechtlichkeit" die Frauen künstlich zurückhalten würden und schickte sich deshalb an, Männer und Frauen nach ideologischen Vorstellungen umzuerziehen. Das Resultat hört auf den Namen 'Gender Mainstreaming'.

Es gehört zur Natur des Menschen oder einer Institution, dass sobald sie Macht bekommen, sich immer mehr wie eine Autorität aufführen werden, die keinen Widerspruch duldet, in ihren Absichten immer ambitiöser werden und immer weniger bereit sind, diese Macht wieder abzugeben.

Dies ist besonders dann fatal, wenn man etwas umerziehen oder verändern will, dass sich nunmal nicht wirklich beeinflussen lässt - aus Frustration ob der nicht erreichten Ziele und aus Realitätsverweigerung werden betroffene Institutionen in ihren Forderungen und Massnahmen immer radikaler und weltfremder. Genauso entstand und funktioniert der menschenverachtende Staatsfeminismus der Gegenwart und so wird es jeder künftigen Geschlechterpolitik ergehen, welche sich anmasst mit Dingen zu spielen, die nicht ohne verheerende Konsequenzen mit sich spielen lassen.

- Geschlechterpolitik besitzt keine moralische Legitimität:

Woher soll gerade ich oder jemand anderes wissen, dass meine Vorstellung von Männlichkeit oder Weiblichkeit für die Menschen besser ist, als konkurrierende Ansichten anderer? Woher soll ich wissen, welche Probleme, die nicht auf gesetzlich fixierten und somit klar nachvollziehbaren Diskriminierungen zurück gehen, drängender sind als andere? Mit welcher Moral kann eine Gleichstellungsbehörde denn ernsthaft behaupten, sie wüsste besser, wie sich freie, gesetzestreue Menschen zu verhalten hätten?

Solange sich Männer und Frauen an Gesetze und Sitten halten, kann doch kein Mensch rational begründet bestimmen, welche Vorstellung von Geschlechtlichkeit gegenüber anderen Vorrang geniessen soll. Darum ist jede Aspiration in dieser Richtung egoistisch, ideologisch und totalitär.

- Geschlechterpolitik ist zwangsläufig ineffektiv und somit überflüssig:

Nur schon der Vorschlag eine Geschlechterpolitik überhaupt einzuführen oder modifiziert weiter zu betreiben ist verdächtig, denn für jede offizielle Aufgabe, der sich eine institutionalisierte Geschlechtlichkeit widmet, gibt es bereits eine fachkundigere Abteilung! Ist die Verbesserung der Gesundheit von Männern und Frauen denn nicht die Aufgabe einer Gesundheitsbehörde in jedem europäischen Land? Ist die Steigerung der Lesefähigkeit von Buben und Mädchen nicht ein seit langem etabliertes Ziel in Bildungsbehörden? Wenn diese Behörden ungenügend oder einseitig arbeiten, dann müssen die Missstände in diesen Behörden direkt von der Regierung oder dem Volk angegangen werden - es braucht somit keine separate Umerziehungsinstanz in Form einer Geschlechterpolitik!

Es ist sowieso illusorisch anzunehmen, man könne mit einem zweiten, geschlechterpolitischen Staatsorgan gegen die negativen Folgen einer schlecht und mit den falschen Prioritäten arbeitenden Behörde ankommen. Man verursacht nur zusätzliche Kosten und erreicht im Endeffekt gar nichts, da die Quelle des Problems bei der falsch arbeitenden Behörde, nicht bei dem fehlenden, geschlechterpolitischen Staatsorgan liegt. Somit ist jede Instanz, die sich separat um Geschlechterpolitik kümmert und in die Zuständigkeitsbereiche von anderen Behörden hineinzufunken versucht, zwangsläufig ineffektiv und somit überflüssig.

- Geschlechterpolitik wird aus unaufrichtigen Motiven betrieben:

Es kann somit in Tat und Wahrheit nur zwei ernsthafte Motivationen für die Teilnahme an und für die Bejahung einer Geschlechterpolitik geben: Finanzieller Zugang zu den staatlichen Futtertrögen und ideologische Umerziehungswünsche. Beide werden strikt vom Maskulismus abgelehnt und deshalb auch bei den Feministen und Vertretern gleichstellungsbefürwortender Männeraktivisten kritisiert. Wenn Gruppierungen ihre Vorstellungen von Gerechtigkeit und dringenden Anliegen in die Politik einbringen wollen, so sollen sie dies als unabhängige Lobbygruppen oder als gewählte Parlamentarier tun - jedoch NICHT als Bestandteil des Staatsapparates selbst! Denn es ist ein gewichtiger Unterschied, ob jemand dafür bezahlt wird, das Volk zu vertreten und dessen Interessen in die Regierung einzubringen oder ob jemand für rein ideologisch motivierte und vom Souverän nicht direkt legitimierte Massnahmen von Steuergeldern ausgehalten wird.

Die Position des organisierten Antifeminismus und des Maskulismus decken sich in Sachen Geschlechterpolitik klar, was ich im persönlichen Gespräch mit den Exponenten der IGAF immer wieder erfahren habe.

Somit ist auch klar, weshalb die Ambitionen von Gleichstellungspolitik ablehnenden Antifeministen, welche sich in die Parlamente wählen lassen wollen zu begrüssen sind, während die Anmassung von gewissen Männergruppen, Teil der Umerziehungsbürokratie zu werden, jedoch abzulehnen ist. Es macht auch einen erheblichen Unterschied, ob man sich lediglich um die handfesten, gesetzlichen Diskriminierungen der Männer kümmert und all jene Ideologien zurückdrängen will, welche darüber hinaus weltanschauliche Ansichten durchsetzen möchten oder ob man aktiv den Menschen eine nicht legitimierbare Autorität in Sachen geschlechtlicher Identität sein möchte.

- Konsequenz:

Spätestens jetzt sollte allen klar werden, dass die Geschlechterpolitik eine willkürliche, unweigerlich ungerechte und zwangsläufig zum Scheitern verurteilte Ansammlung von teuren und nutzlosen Massnahmen ist. Die Männerrechtsbewegung muss deshalb jede Art von Geschlechterpolitik ablehnen. Nur so kann konsistent und frei von Heuchelei gefordert werden, dass die feministische Geschlechterpolitik beendigt werden soll. Nur so kann vermieden werden, dass nach der Überwindung des feministischen Zeitalters Männeraktivisten auf den Plan treten und den gleichen unmenschlichen Zirkus mit umgekehrtem Vorzeichen erneut einführen. Deshalb müssen Maskulisten und Antifeministen immer wachsam sein und jene Aspirationen innerhalb der Männerrechtsbewegung verdrängen, welche es den Feministen und Genderisten in Sachen totalitärer Umerziehung gleich tun wollen.

Geschlechterpolitik begrüssende Männeraktivisten

Obwohl der Begriff 'Maskulisten' häufig auf die gesamte Männerrechtsbewegung angewendet wird, sind tatsächlich nur ein Teil aller antifeministischen und männerrechtlerisch aktiven Personen auch wirklich Maskulisten. Während Antifeministen in erster Linie Ideologiekritiker und Männerrechtler primär Interessensvertreter sind, lehnen Maskulisten darüber hinaus noch jegliche Art von staatlicher Umerziehung und Einseitigkeit ab. Deshalb fordern sie auch ein Ende der Geschlechterpolitik und die wahre Gleichberechtigung für beide Geschlechter.

Doch es gibt nicht wenige Männeraktivisten, welche sich zwar mit Hingabe für Männer einsetzen, jedoch im Vergleich zu Maskulisten und den konsequenten Antifeministen der IGAF die Geschlechterpolitik nicht ablehnen, sondern diese begrüssen und mitprägen wollen. So möchte der schweizerische Verein Männer.ch rund um Markus Theunert Teil der helvetischen Gleichstellungspolitik werden und sucht deshalb den (bereits fehlgeschlagenen) Dialog mit Vertretern des hiesigen Staatsfeminismus. Der Männerrechtler-Verein Manndat e.V. bezeichnet sich selber sogar als "geschlechterpolitische Initiative" und forderte im Fall rund um Goslar eine Erweiterung der bisherigen Gleichstellungspolitik auf Jungen und Männer. Der schweizerische Männerverein GeCoBi, sieht sich laut dessen Präsidenten Oliver Hunziker als "gleichstellungsfreundlich" und bekennt sich zu einem Dialog mit dem Staatsfeminismus, ausserdem wird der geringe Zufluss von staatlichen Geldern an "konstruktive" Männerorganisationen beklagt.

Auch der Männerverein Agens e.V., bei dem die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling Mitglied ist, befürwortet Geschlechterpolitik, auch wenn sie der jetztigen Gleichstellungspolitik in vielen Punkten widersprechen. So lehnen sie den dort vorherrschenden Genderismus ab, jedoch auch den Kampf für Männerrechte, genauso wie Männer.ch diese nicht in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit rücken will:

 "Agens Grundüberzeugung ist: [...] Mann und Frau ergänzen sich bei Bewahrung ihrer anthropologischen Besonderheiten und ihrer individuellen Lebensentwürfe ohne einen Kampf um Rechte von Mann oder Frau." (hier; das fett markierte Wort 'ohne' stammt von Agens e.V. selbst)

"Wir verweigern uns dabei dem einfacheren Weg, uns als «Emanzipationsverlierer» zu gebärden und die (durchaus bestehenden) Diskriminierungen von Männern ins Zentrum unserer Arbeit zu stellen." (hier; von Männer.ch)

Auch steht auf der Homepage von Agens e.V., dass man die "verstaatlichte" Geschlechterpolitik zurück in die Privatsphäre führen möchte, während man den folgenden Textabschnitt zur Zukunft der Männerrechtsbewegung vom Blog des nach wie vor in der Agens e.V. aktiven Gründungsmitglieds Arne Hoffmann liest:

"Sobald die Männerrechtsbewegung Teil der Geschlechterpolitik in Deutschland geworden ist, dürfte Gesterkamp feststellen, dass er seinen "cordon sanitaire" lediglich um sich selbst gezogen hat und jetzt darin festsitzt wie in einem verschütteten Bunker."

Arne Hoffmann steht selbst dem Konzept der genderistischen Umerziehung nicht wirklich kritisch gegenüber, was man in diesem Blogeintrag sehen kann, in dem angedeutet wird, dass eine auch Männer umfassende "Genderpolitik" durchaus wünschenswert sein könnte - was allerdings mit der offiziellen Position von Agens e.V. in Sachen Genderismus (siehe hier: "Gegenposition zur "Dekonstruktion der Geschlechter"", ein zentraler Bestandteil von "undoing gender") im Widerspruch steht:

"Eine neue Studie weist jedoch darauf hin, dass auch die kernigsten Machomänner von "Undoing Gender" profitieren könnten: [...] Nun ist das lediglich eine einzelne Studie, und wie Männer anstelle von Frauen von Genderpolitik profitieren können, wird in unserer feministisch geprägten Gesellschaft kaum untersucht. [...] Über solche Fragen wäre eine konstruktive Sachdiskussion zwischen Soziologen, Feministinnen, Männerrechtlern und weiterer Fraktionen wünschenswert."

Es erstaunt somit, dass Arne Hoffmann von Einzelnen als der "Godfather of Masculism" bezeichnet wird. Er  ist sicherlich ein bedeutender Männerrechtler in der deutschsprachigen Männerrechtsbewegung, jedoch kein Maskulist im engeren Sinne, da seine Position in Sachen Genderismus, Geschlechterpolitik und Staatsfeminismus inkompatibel mit dem Maskulismus nach Savvakis ist. Für einen Aussenstehenden ist die Unterscheidung zwischen Maskulist und Männerrechtler wohl auf den ersten Blick zweitrangig - gerade deshalb ist es wichtig, die maskulistische Position nicht auch noch intern zu verwässern.

Als mahnendens Negativbeispiel dient uns allen das deutsche Bundesforum für Männer, welches lediglich als Legitimitätsfassade des deutschen Staatsfeminismus dient, so dass diese weiterhin ungestört ihre feministische Agenda vorantreiben können. Sollte ihnen jemand dumm kommen und es wagen, sie auf ihre Einseitigkeit und Männerfeindlichkeit hinzuweisen, weisen sie lapidar mit dem Finger auf diese Speichellecker und meinen desinteressiert, man mache doch auch etwas für Männer. Doch dieses "etwas" besteht lediglich aus Umerziehung und Unterjochung:

"Ziel des Bundesforums ist es, einengende und dominante Männlichkeitsstrukturen und Rollenbilder zu überwinden."

"Das Bundesforum trägt zur Vernetzung einer Arbeit mit Jungen bei, die Jungen Handlungsoptionen und Zukunftsperspektiven jenseits patriarchaler und einengender Rollenvorstellungen ermöglichen. Jungen werden bei der Entwicklung von Lebensentwürfen gefördert, die ihnen Perspektiven auf eine mündige, verantwortliche und geschlechtergerechte Teilhabe an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen eröffnen."

Femigenderistische Umerziehungsideologie in Reinkultur, mitten in einem Positionspapier einer grosszügig vom Staatsfeminismus finanzierten, deutschen Männerorganisation. Dies ist die Endstation von zu viel Kompromissbereitschaft und Rücksichtsnahme auf den Erzfeind, dem man schlussendlich jedes ernsthafte Anliegen in Sachen Männerrechte unterordnet, nur um seine Pöstchen beim Staat nicht zu verlieren.

Wollen wir, die deutschsprachige Männerrechtsbewegung, so enden?

In einem anderen Blogeintrag von Arne Hoffmann findet man folgenden Satz, welcher unmissverständlich den Unterschied zwischen den geschlechterpolitisch motivierten Vereinen Agens e.V. und Manndat auf der einen Seite und der Geschlechterpolitik ablehnenden und sich einem Dialog mit dessen gefügigen Vertretern verweigernden IGAF kommuniziert:

"Für die meisten Männer würde sich früher oder später eine Schattierung finden, die ihrem eigenen Naturell am besten entspricht: die Leisetreter und Softis landen im Bundesforum, die Hardliner und Fundis in der IGAF, die Pragmatiker bei AGENS und MANNdat usw.."

Deutschsprachige Männeorganisationen lassen sich also zunächst auf einer Linie zwischen dem Geschlechterpolitik vollständig befürwortenden Extrem auf der einen Seite und dem Geschlechterpolitik  komplett ablehnenden Extrem einordnen. Ob man dieser Einteilung dann die Prädikate pragmatisch, leisetreterisch oder fundamentalistisch gibt, hängt von der Positionierung gegenüber dem Konzept einer umerzieherischen Geschlechterpolitik und von allfällig vorhandenen politischen Scheuklappen und Hemmungen ab.

Besonders pragmatisch, ungehemmt und konstruktiv ist Agens e.V., welcher sogar ein Vertreter des männerumerzieherischen und staatsfeministischen Bundesforums für Männer an eine selbst organisierte Diskussionsveranstaltung für einen sachlichen Austausch einlud, wie Arne Hoffmann auf seinem Blog verkündet. Es ist durchaus legitim zu fragen, was Männerrechler mit dem Abgesandten eines umerzieherischen Blockflötenvereins des institutionalisierten Feminismus zu besprechen haben.

Während das Bundesforum für Männer in Deutschland ein Paradebeispiel für einen Verein ist, der umerzieherische Geschechterpolitik im feministischen Sinne widerspruchslos gut findet und sich ihr unterordnet, taucht als nächstes Männer.ch und GeCoBi auf, während Agens e.V. und Manndat schon weiter von diesen beiden entfernt stehen. Nahe dem anderen Extrem folgen die schweizerische Männerrechtspartei und die IGAF, sowie wir Maskulisten.

Kritik

Männerrechte und somit auch der Kampf gegen Männerdiskriminierung stehen bei einigen Männervereinen nicht im Fokus ihrer Arbeit, was angesichts der bereits Dekaden andauernden, handfesten gesetzlichen und juristischen Diskriminierungen der Männer in Deutschland und in der Schweiz doch etwas verwunderlich ist, denn diese Missstände sind nicht selten das direkte Resultat des wirkenden Staatsfeminismus.

So will der schweizerische Staatsfeminismus nun sogar schon das Existenzminimum geschiedener Männer antasten, wenn es um Unterhaltszahlungen geht. Deutschland wurde bereits mehrmals vom europäischen Gerichtshof gemahnt, weil der deutsche Staatsfeminismus die Menschenrechte von Vätern missachtet. Und in Österreich werden dem österreichischen Staatsfeminismus unliebsame Väterrechtler sogar in den Knast geworfen, wenn sie sich gegen Ungerechtigkeit wehren. Wer mit solchen Leuten sachlich diskutieren will, der hat noch nicht so ganz begriffen, mit welchen Männerhasserinnen er es hier zu tun hat.

Doch diese Haltung wurde vermutlich bewusst gewählt, um nicht sofort die Gunst des Staatsfeminismus zu verlieren, den man ja zu einem "Geschlechterdialog" bewegen möchte. Aber ist eine Verwässerung der Absichten bereits am Anfang des Kampfes wirklich sinnvoll? Wenn man als Männerrechtler schon von Beginn weg in seinen zentralen Anliegen zu grosse Kompromissbereitschaft an den Tag legt, werden einen dann andere Interessensgruppen überhaupt ernst nehmen? Oder wird der institutionalisierte Erzfeind nicht viel mehr versuchen, diese gnädigste Kompromissbereitschaft bis aufs Äusserste auszunutzen, um die Forderungen der geschlechterpolitischen Männeraktivisten in ihrem Gehalt auf ein Nichts zu reduzieren, immer mit der Drohung verbunden, den zaghaften Dialog beim leisesten Hauch von Gehorsamsverweigerung sofort abzubrechen?

Dies würde dem Wesen der totalitären, feministischen Ideologie am ehesten entsprechen und drängt sich dem Staatsfeminismus auch aus rein machterhalterischen Überlegungen geradezu auf. Auch führt jede Aspiration in Richtung eines Dialogs mit diesem Moloch dazu, dass man diesem in der Öffentlichkeit zusätzliche Legitimität gewährt, die er eigentlich von Beginn weg gar nicht hat. Ein Dialog kann deshalb nur erfolgen, wenn beide Parteien eine ähnliche Machtbasis aufweisen, an einem runden Tisch sitzen, jedoch nicht, wenn die eine Gruppe einen Guerillakrieg führen muss, während der Gegner in schwer befestigten Bunkern sitzt und Luftunterstützung zur Verfügung hat. Es ist somit naiv zu glauben, dass der Gegner einen ernsthaften Dialog mit handfesten Erfolgen für die Männerrechtsbewegung führen wird, wenn dieser noch die volle Macht des Staates hinter sich hat und dessen Ideologie jeglicher Kompromiss, welcher nicht dem Machterhalt dient, zuwider läuft.

Klar dargelegt habe ich die Intention mancher Männervereine, dass man Geschlechterpolitik nicht abschaffen und endgültig beenden, sondern diese vielmehr umgestalten und weiterbetreiben möchte. Nicht nur das, Agens e.V. rund um Arne Hoffmann strebt sogar eine so zentrale Position innerhalb des Staatsapparates an, dass man den gut im aktuellen Staatsfeminismus vernetzten und breit vom institutionalisierten Erzfeind unterstützten Musterpudel Thomas Gesterkrampf (auch der "ungläubige Thomas" genannt, da er die Auswüchse der feministischen Ideologie und der Männerdiskriminierung nicht sehen will) sinngemäss zu isolieren vermag ("verschütteter Bunker"). Diese Einstellung kollidiert jedoch mit der offiziellen Absichtserklärung von Agens e.V., dass man die Geschlechterpolitik zurück in die Privatsphäre führen wolle. Dies verwundert, denn Arne Hoffmann kennt den grossen Maskulisten Michail A. Savvakis persönlich und ist vermutlich auch mit dessen Standpunkt bestens vertraut, hat diesen sogar einmal interviewt und bezeichnete sich selber früher regelmässig als Maskulist, was bei seinem glasklaren Bekenntnis zur Geschlechterpolitik doch etwas erstaunen vermag.

Obwohl also Agens e.V. eine der Kernforderungen des Maskulismus - die Abschaffung der umerzieherischen Geschlechterpolitik - ablehnt, nehmen dessen Vertreter munter Interviewanfragen zum Thema Maskulismus an (siehe hier das Resultat, wobei die schlechte Qualität die Schuld der Journalistinnen ist), statt diese an den prominentesten Maskulisten Michail A. Savvakis weiter zu leiten:

"[...] eine Redakteurin des ORF, die mich um ein Interview zum Thema "Maskulismus" bat (den Job hat jetzt allerdings Professor Amendt übernommen, der ohnehin zeitweise in Wien sitzt)."

Dies wird dahingehend kritisch, da Agens e.V. den Maskulismus als eine "radikale Ideologie" sieht und offensichtlich keine Ahnung hat für was er genau steht, denn sonst wüssten sie, dass der Maskulismus nicht ein Äquivalent des Feminismus mit umgekehrtem Vorzeichen ist:

 "Der notwendig gewordene Begleitschutz für Prof. Dr. Gerhard Amendt auf dem Düsseldorfer Männerkongress (aufgrund feministischer Drohungen) hat uns sensibel gegen jedwede radikale Ideologie gemacht, sei es Feminismus oder Maskulismus."

Auch die Kritik an der IGAF ist bezeichnend. Fundamentalistisch ist gerade nicht der direktere Ansatz, welche die Probleme endlich beim (feministischen) Namen nennt, während Vereine wie Männer.ch und GeCoBi munter mit Männerfeinden in den Dialog treten, sondern die Anmassung, die intellektuelle und totalitäre Fehlkonstruktion namens Geschlechterpolitik weiterführen zu wollen. Und eine maskulistische Haltung in Sachen Feminismus und Geschlechterpolitik ist auch nicht das gefürchtete "Hardlinertum", sondern lediglich konsequent und widerspruchsfrei - mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass man sich in seinem Engagement für Männerrechte und wahre Gleichberechtigung nicht unglaubwürdig macht.

Arnes Eindruck, die IGAF sei etwas für "Hardliner und Fundis" hat wohl auch damit zu tun, dass die IGAF forsch die Schliessung aller Frauenhäuser forderte (was, wie wir mittlerweile wissen, auch Monika Ebeling in Erwägung gezogen hat). Allerdings hat auch Prof. Amendt, welcher jetzt aktives Mitglied bei Agens e.V. ist, schon vor zwei Jahren gefordert, dass Frauenhäuser geschlossen werden sollten, was den Vorwurf des "Hardlinertums" relativieren sollte - es sei denn, man habe aus eigenen Motiven heraus ein Problem mit der konsequenten Ablehnung der Geschlechterpolitik durch die IGAF.

Doch der Wunsch nach Geschlechterpolitik und dem Streben nach wahrer Gleichberechtigung widersprechen sich, da die wahre Gleichberechtigung im Maskulismus die unweigerliche Einseitigkeit und Ungleichbehandlung einer jeglichen Geschlechterpolitik ablehnt. Wenn der Maskulismus und seine Anliegen für eine Person mehr als nur Lippenbekenntnisse sind, dann kann sie schon alleine aus Gewissensgründen keine Geschlechterpolitik betreiben.

Ein behelfsmässig überbrückter Graben

Wenn man nun einerseits die maskulistische Position und jene gewisser Männeraktivisten bezüglich einer Geschlechterpolitik anschaut, so wird deutlich, weshalb bestimmte Elemente der Männerrechtsbewegung schnell und eifrig die Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling unterstützt haben, während mir kein Maskulist bekannt ist, der genauso enthusiastisch und aktionistisch dieser äusserlich geläuterten Feministin zu Hilfe geeilt wäre.

Diese Tatsache widerspiegelt ein schon länger gärender, weltanschaulicher Gegensatz zwischen Strömungen innerhalb der Männerrechtsbewegung, die sich uneins sind, wie man mit dem Staatsfeminismus und dem Feminismus an sich verfahren soll. Während die Einen den Staatsfeminismus nur gründlich durchschütteln und dann neu besetzt weiter betreiben möchten, wollen die Anderen diesen zum Wohle aller Menschen abschaffen.

Vertreter beider Lager sind sich diesem weltanschaulichen Graben durchaus bewusst, was jedoch bisher kaum jemanden davon abgehalten hat, bei nötiger Gelegenheit gemeinsam aufzutreten und sich zu solidarisieren. So werden Markus Theunert und Gerhard Amendt (Mitglied von Agens e.V.) am zweiten internationalen Antifeminismustreffen auftreten, während René Kuhn vor einiger Zeit ein interessantes Gespräch mit Monika Ebeling führte. Eckhard Kuhla, ein Vorstandsmitglied von Agens e.V. trat am ersten internationalen Antifeminismustreffen auf. Und Arne Hoffmann stand in intensivem Kontakt mit dem Präsidenten des Vereins Antifeminismus Urs Bleiker nach dem dieser nachts auf offener Strasse angeschossen wurde.

Männer.ch distanzierte sich zunächst offen von der IGAF und von der Männerpartei, was jedoch die Spitzen von Männer.ch und dem Verein Antifeminismus nicht davon abhält, sich fortan zweimal pro Jahr zu einem Orientierungsgespräch zu treffen. Dieser Sinneswandel von Männer.ch in Bezug auf die IGAF wurde auch von der NZZ bemerkt. Dieser Kurswechsel liegt wohl auch darin begründet, dass es innerhalb der Mitgliedschaft von Männer.ch grosse Sympathien für den organisierten Antifeminismus gibt (genauso wie viele Mitglieder von GeCoBi laut Oliver Hunziker mit der IGAF sympathisieren). Deren Präsident Markus Theunert muss also einen schwierigen Spagat zwischen staatsfeministischen Kreisen (mit denen er mittelfristig gerne zusammenarbeiten möchte) und den Wünschen und Anliegen vieler Mitglieder schaffen, welche dem Ansatz der IGAF nicht abgeneigt gegenüber stehen.

Wir haben es also mit weltanschaulichen Differenzen zu tun, die uns jedoch im Alltag nicht unbedingt von der gemeinsamen Arbeit abhalten. Was in vielen Fällen auch begrüssenswet ist. Dennoch müssen wir in Zukunft vorsichtig bleiben und genau prüfen, welche Positionen zum Staatsfeminismus potenzielle Verbündete vertreten.  

Konklusion

Der Fall Goslar ist somit nicht nur deswegen interessant, weil er den Feminismus wieder einmal als eine totalitäre Ideologie entlarvt hat, sondern auch, weil er teilweise interessante Einblicke in die aktuellen Mechanismen der deutschsprachigen Männerrechtsbewegung gewährt. Vorallem die unterschiedliche Haltung der verschiedenen Vereine innerhalb der Männerrechtsbewegung zum Konzept der Geschlechterpolitik liess sich relativ deutlich am Ausmass ihres Engagements für die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling erkennen.

Dabei ist die oft mühselige Arbeit der zahllosen (antifeministischen) Männervereine im deutschsprachigen Raum von unschätzbarem Wert und diese soll nicht unter den Tisch gekehrt werden. Denn jeder Verein stellt ein Sammelbecken von Expertenwissen und Ansätzen dar, welche die Männerrechtsbewegung bereichern und durch ihre mehrspurige Aufgleisung eine aussergewöhnliche Flexibilität verleihen. Man soll weiterhin die Zusammenarbeit vorantreiben, sofern dies aufgrund weltanschaulicher Gemeinamkeiten möglich ist. Dennoch muss man ein wachsames Auge auf gewisse Tendenzen innerhalb der Männerrechtsbewegung haben, damit sich die Fehler des Feminismus nicht wiederholen.

Man könnte zwar zu Gunsten von Geschlechterpolitik befürwortenden Vereinen wie Agens e.V. und Manndat argumentieren, dass die indirekte Demokratie Deutschlands weniger und mühsamere Einflussmöglichkeiten bietet, als das direktdemokratische Modell der Schweiz und dass deshalb ein Dialog mit dem Staatsfeminismus so gut wie unvermeidbar sei um etwas erreichen zu können. Doch haben nicht Stuttgart 21 und die Anti-Atombewegung gezeigt, dass auch nur vom Volk getragene politische Anliegen in Deutschland durchaus einflussreich sein können? Auch in einer direkten Demokratie wird einem nichts geschenkt, so dass ein Bekenntnis zur Geschlechterpolitik kaum durch das jeweils vorherrschende politische System gerechtfertigt werden kann.

Wir Maskulisten haben uns geschworen, den grausamen Geschlechterkampf, welcher der Feminismus über uns gebracht hat, ein für allemal zu beenden. Denn wir Männer wissen aus eigener Erfahrung, mit welcher Verachtung und Brutalität eine von Medien und Universitäten gestützte, institutionalisierte, geschlechterpolitische Ideologie gegen Menschen zweiter Klasse vorgeht. Innerhalb einer rasch an Mitgliedern und Einfluss gewinnenden Männerrechtsbewegung dürfen wir deshalb trotz des berauschenden, aktuellen Erfolges nicht über einige zentrale Grundsätze hinwegsehen! Nur wenn wir verhindern, dass sich ideologische Einseitigkeit und der wahren Gleichberechtigung zuwiderlaufende Partikularinteressen innerhalb der Männerrechtsbewegung einnisten, können wir den Geschlechterkampf ein für allemal beenden.

Denn sollten wir scheitern, wird es in dreissig oder vierzig Jahren tatsächlich einen institutionalisierten Feminismus mit umgekehrtem Vorzeichen geben! Genauso wie Konstantin der Grosse sich gegen seinen Rivalen durchsetzen konnte, weil er im Zeichen des Kreuzes kämpfte und somit den endgültigen Aufstieg des Christentums und somit des Westens begründete, müssen somit auch wir uns an jene Grundsätze halten, die uns den vollständigen Sieg bringen werden.


Konstantin der Grosse erblickt das Chi-Rho am Himmel

Donnerstag, 19. Mai 2011

Theoretische Grundlagen des rechten Kulturalismus

Vorbemerkung: Dieser Text hat nichts mit Maskulismus zu tun, sondern beschäftigt sich mit einer neuen Denkrichtung im rechten politischen Spektrum - dem Kulturalismus. Das letzte Mal habe ich ausgeführt, dass rassische Weltbilder die Gegenwart nicht mehr angemessen beschreiben können. Nun beschäftigen wir uns mit den theoretischen Grundlagen eines neuen, rechten Weltbildes - dem Kulturalismus (siehe dazu auch das Buch "Culturism"). Das Fernziel ist dabei, rechtes Gedankengut kulturalistisch zu fundieren und somit endgültig massentauglich und fit für das 21. Jahrhundert zu machen.

Bevor wir uns mit der westlichen Kultur und der politischen Ausformulierung des Kulturalismus beschäftigen, werden wir uns zuerst genauer anschauen, wie Kulturen genau funktionieren und welchen Mechanismen sie unterworfen sind. Die Vielseitigkeit menschlicher Kulturen und deren Wechselwirkungen miteinander werden dabei durch einige Prinzipien bestimmt, die (unter anderem) mit einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise leichter beschrieben werden können.

Dies wird uns später helfen, den Verlauf der westlichen Kulturgeschichte und den Ablauf zahlloser Interaktionen zwischen verschiedenen Zivilisationen besser zu verstehen. Denn wir werden uns nicht einfach nur mit einer Beschreibung der Ereignisse in Form von Zahlen, Handlungen und Namen zufrieden geben müssen, sondern wir werden nachvollziehen können, aus welchen Gründen diese Ereignisse so abliefen, wie sie in den Geschichtsbüchern geschrieben stehen.

Dies wiederum eröffnet uns ein viel tieferes Verständnis unserer westlichen Kultur und ihr Platz im 21. Jahrhundert, so dass wir vor dem Hintergrund eines erwachten, kulturellen Bewusstseins politische Massnahmen und Entscheidungen legitimieren und beschliessen können, welche dem Kampf der Kulturen der heutigen Zeit angemessen sind. 

Definition von Kultur

Kultur ist in erster Linie die Identität einer beliebig grossen Gruppe, welche als Reaktion einer Menschengemeinschaft auf Sachzwänge entsteht (siehe unten) und mit der Zeit ein (historisch relevantes) Eigenleben entwickelt hat, in dem sie durch Massnahmen wie Gesetze, Regeln oder Gruppenzwang durchgesetzt wurde. Der Begriff leitet sich vom lateinischen "cultura" ab, welches so viel wie Bearbeitung, Anbau und Pflege im landwirtschaftlichen Sinne bedeutet, jedoch auch figurativ für Bildung und von altrömischen Schriftstellern wie Horaz auch für sittliche Veredelung und Huldigung verwendet wurde (schon hieraus wird klar, das Kultur gepflegt und gehütet werden muss, will sie sich voll entwickeln und bestehen).

Kultur stellt zum einen den Konsens von Charakteristiken und Werten einer menschlichen Gemeinschaft dar, an dem sich die Angehörigen unterschiedlich stark orientieren und zum anderen auch die Manifestation dieses Konsens' in Form von Institutionen und Leistungen dar. Dieser sich langsam aber permanent wandelnde Konsens entsteht durch die Einwirkung von Sachzwängen und durch die Handlungen der beteiligten Individuen.   

Dabei wird dieses Wort zur Beschreibung von Phänomenen wie Familienkultur, Unternehmenskultur, Nationalkultur oder auch Weltkultur gebraucht. Die Gemeinschaft ist dabei für das Individuum eine zusätzliche Quelle von Intelligenz. Die Kultur ist eine zusätzliche Quelle an Orientierung, Sinn, Erfahrung und Ideen für das Individuum. Egal auf welcher Ebene man diesen Begriff anwendet - immer beschreibt er einen mehr oder weniger scharf umrissenen Kompromiss in Form eines Gemeinschaftsgefühls von Menschen mit zugehörigen Wertvorstellungen, das sich klar von jenen anderer Menschengruppen unterscheidet. Menschen und Völker sind in den Augen einer Kultur in erster Linie nichts anderes als Träger und Übermittler.

Eine Kultur selbst gliedert sich dabei in Charakteristiken (die "Seele" oder "Persönlichkeit" einer Kultur; zum Beispiel stark kollektivistische Tendenzen) und die Fassade (die "Oberfläche": Regierungen, Gesellschafts- und Wirtschaftsformen). Sie übt auf alle Individuen und Völker in ihrem Einflussgebiet eine mehr oder weniger starke kulturelle Programmierung aus, während diese wiederum über unterschiedlich ausgeprägte kulturelle Loyalität mit der Seele und Fassade einer Kultur verbunden sind. Der Westen zum Beispiel weist im Gegensatz zu anderen Kulturen aussergewöhnlich individualistische und egalitaristische Tendenzen als Charakteristiken auf. Demokratie, Kapitalismus und Menschenrechte sind letzten Endes zeitliche Konsequenzen, Ausprägungen und Symptome dieses tiefer liegenden Wesens in Form einer sich permanent wandelnden Fassade.

Entstehung von Kulturen

Alle Menschen weisen einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Instinkt auf, Gruppen zu bilden und sich mit diesen Gruppen zu identifizieren. Dies hat Philip Zimbardo, welcher im Untergeschoss der Stanford-Universität das Gefängnis-Experiment durchführte, eindrucksvoll gezeigt. Er teilte Männer mit ähnlichem Hintergrund jeweils in eine Wärter-Gruppe und in eine Gefangenen-Gruppe ein und beobachtete die Dynamik der Interaktionen zwischen diesen beiden Gruppen im Verlauf mehrerer Tage.

Das Experiment musste nach sechs Tagen abgebrochen werden, da sich die Männer dermassen stark mit ihrer Gruppe zu identifizieren begannen, so dass die Wärter immer sadistischer und die Gefangenen emotional immer gebrechlicher wurden. Die sich jeweils durch die experimentell fixierten Sachzwänge ausbildenden Gruppenkulturen und ihre Interaktion miteinander hatten offensichtlich einen starken Einfluss auf die Psyche und das Verhalten der Beteiligten.

Ein weiteres interessantes Experiment, welches die spontane Ausbildung von Kulturen innerhalb von Gruppen belegt, ist jenes von Muzaffer Serif namens Robber's-Cave-Experiment. Er brachte zwei Gruppen von Kindern mit ähnlichem Hintergrund (alle elfjährig, gleicher IQ, gleiche Hautfarbe, gleicher Sozialstatus und einander unbekannt) in ein Sommerlager und sorgte dafür, dass beide Gruppen nicht von der Existenz der jeweils anderen Gruppe wussten. Sobald sich diese Gruppen nach einer gewissen Zeit begegneten, beganne sich diese beiden sofort zu bekämpfen und bereiteten sich auf längere Auseinandersetzungen vor.

Dann passierte etwas Aussergewöhnliches. Die Gruppe, welche die erste Auseinandersetzung gewonnen hatte, schrieb ihren Erfolg dem gemeinsamen Beten zu, welches sich bereits vorher durch die interne Gruppendynamik ergeben hatte. Sie merkten, dass die gegnerische Gruppe fluchte und beschlossen anschliessend aus Abgrenzungstrieb nicht zu fluchen. Die andere Gruppe begann sich als eine Bande böser Jungs zu definieren. Beide Gruppen begannen diese neuen Gruppenmerkmale systematisch intern durchzusetzen. Dadurch wurde die Distanziertheit zwischen den Gruppen noch deutlicher, was wiederum zu einer Verstärkung der kulturellen Eigenheiten beider Gruppen führte. Es waren also zwei neue Kulturen geboren worden. Sherif zeigte somit auf, dass die Bildung von Kulturen durch die Ausprägung von Gruppenidentitäten und -normen spontan abläuft. Die entstandenden Differenzen zwischen den beiden Gruppenkulturen konnten erst überwunden werden, als beide Gruppen dazu gezwungen wurden, gemeinsam Widrigkeiten zu überwinden.

Die Erkenntnisse dieser beiden Experimente lassen sich auf grössere Menschengemeinschaften und auf ganze Völker übertragen. "Rasse" hatte bei all diesen Experimenten keinen Einfluss, denn Kultur ist nicht genetisch programmiert und steht schon gar nicht in einem Zusammenhang mit der Hautfarbe. Das gemeinsame Auftreten von Hautfarbe und Kultur beruht auf Korrelation, nicht auf einen kausalen Zusammenhang. "Rasse" spielt somit bei der Entstehung von Kulturen keine Rolle.

Die Bildung von Kulturen auf allen Ebenen ist somit eine natürliche Tendenz menschlicher Gruppen, welche durch gemeinsame Erlebnisse und durch die Interaktion mit anderen Gruppenidentitäten verstärkt wird.

Kulturen als chaotische Systeme

Eine Kultur weist Ähnlichkeiten mit einem chaotischen System (wie zum Beispiel das Wetter) auf. Diese unterliegen zwar den physikalischen Gesetzen, weisen jedoch eine irreguläre Dynamik auf, so dass ihre Entwicklung nicht langfristig vorhergesagt werden kann (vernünftige Wetterprognosen gibt es nur auf ein paar Tage hinaus). Ausserdem hängen diese Systeme empfindlich von den Anfangsbedingungen ab, so dass ähnliche Startbedingungen aufgrund des scheinbar erratischen Verhaltens nicht zu ähnlichen Ergebnissen führen und dass auch nur eine minime Änderung dieser Bedingungen am Schluss gewaltige Auswirkungen hat (Schmetterlingseffekt).

Daraus lässt sich für Kulturen ableiten, dass sich ihre Entwicklung nicht exakt, sondern nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf Richtigkeit aus Sachzwängen (entsprechen in etwa den Anfangsbedingungen) ableiten lassen. Es wird somit auch klar, dass möglichst alle jene Sachzwänge zu Beginn einer kulturellen Entwicklung aufgrund ihres grossen Einflusses auf das Ergebnis betrachtet werden müssen, um eine gewisse argumentative Aussagekraft für eine bestimmte Epoche zu erhalten. Dies erlaubt also jeweils nur lokal (also für die von den betrachteten Sachzwängen betroffenen Aspekte einer Kultur) und über eine kurze Zeit (also über die Einflussdauer der gerade betrachteten Sachzwänge) vernünftige Aussagen über eine Kultur.

Weiterhin ergibt sich, dass sich Kulturen aufgrund der Entscheidungen von Individuen scheinbar irrational innerhalb eines Rahmens bewegen, welcher von äusseren Sachzwängen (analog den physikalischen Gesetzen für chaotische Systeme) vorgegeben werden. Und der Schmetterlingseffekt chaotischer Systeme deckt sich gut mit der Beobachtung, dass verschiedene Kulturen mit ähnlichen (aber nicht gleichen) Startbedingungen sich im Verlauf der Geschichte komplett verschieden entwickelt haben.

Die Erfassung einer Kultur als chaotisches System erlaubt uns also zu verstehen, welchen Restriktionen unsere Aussagen und Argumente bezüglich Kulturen unterliegen. Dieses Modell sagt uns zum Beispiel, dass wir uns weniger auf einzelne Phänomene innerhalb von Kulturen konzentrieren sollten, um Kulturen angemessen zu beschreiben, denn deren kausaler Zusammenhang mit den der Kultur zu Grunde liegenden Prinzipien lässt sich wegen dem irrationalen Systemverhalten nicht vollkommen beschreiben (und lässt somit Raum für Falschinterpretation und geschichtlichen Revisionismus). Sinnvoller ist es deshalb, sich mehr mit den durch die Sachzwänge gebildetenen Rahmen zu beschäftigen, innerhalb dessen sich eine Kultur bewegen kann und welcher die zentralen kulturellen Mechanismen bestimmt (wie wir später zur Genüge sehen werden).

Durch die Beschreibung der Sachzwänge und ihrer Auswirkungen auf eine Kultur lässt sich somit das Wesen einer Kultur mit höherer Wahrscheinlichkeit treffender beschreiben, als wenn wir einfach bestimmte zeitliche Einzelausprägungen dieser Kultur betrachten würden, ohne die ihnen zu Grunde liegenden Mechanismen zu berücksichtigen.

(Antifeministische Brisanz erhält diese Tatsache, wenn wir uns die feministische Lüge des "Patriarchats" anschauen. Feministinnen berücksichtigen nur einzelne kulturelle Phänomene oder Facetten früherer Zeiten, während sie andere ausklammern und dabei die Sachzwänge und somit die damalige, historische Notwendigkeit der traditionellen Rollenverteilung komplett aussen vor lassen. Dadurch ergibt sich eine den damaligen Verhältnissen nicht entsprechende Falschinterpretation der traditionellen Rollenverteilung und somit der westlichen Kultur, welche sie dann politisch als die Patriarchatslüge instrumentalisieren.)

Sachzwänge

Kulturen bewegen sich in einem von zwei Gruppen von Sachzwängen vorgegebenem Rahmen, einem Spielraum von Optionen und Möglichkeiten innerhalb dessen schlussendlich die Angehörigen einer Kultur durch ihre Handlungen entscheiden, wie sich ihre Kultur zu einem bestimmten Zeitpunkt genau manifestiert.  Ideen, Technologien und Ideologien haben vorallem dann eine Chance sich durchzusetzen, wenn sie zu den jeweils aktuellen Sachzwängen passen. Kühlschränke werden wohl kaum von Eskimos gebraucht, während eine deutsche Ausgabe des Playboys sich eher weniger in einem islamischen Land verkaufen liesse. Kapitalistische Eigentumsrechte sind für nomadische Jäger/Sammler-Gesellschaften sinnlos, da deren Einzugsgebiet viel zu gross ist, als dass sich diese effektiv durchsetzen liessen.

Sachzwänge sind dabei nicht unbedingt deterministisch oder exkludierend - vielmehr führen sie dazu, dass bestimmte Ideen oder kulturelle Merkmale in ihrem Wirkungsbereich einen Wettbewerbsvorteil erhalten und sich somit mittelfristig eher durchsetzen werden, als Muster, welche nicht zu den Sachzwängen passen. Wir werden diesen Sachverhalt weiter unten noch näher kennen lernen, wenn wir uns die Entwicklung von Kulturen mit Hilfe der Evolutionstheorie genauer anschauen. Sachzwänge sind auch nicht starr wie in Stein gemeisselt, sondern verändern sich mit der Zeit und Kulturen wie Individuen beeinflussen mit ihren Handlungen die genaue Gestalt der Sachzwänge.

Wir besprechen hier die verschiedenen Sachzwänge aus Sicht einer Kultur - ein Individuum kann aufgrund seines biologischen Wesens eine Wüste verlassen oder sich einer anderen Kultur anschliessen und somit gewissen Sachzwängen ausweichen, während eine Kultur aufgrund ihrer an Land und Menschenmassen gebundene, unbeweglichere Natur nicht so leicht Sachzwänge umgehen kann (wobei Träger auch Elemente von Kulturen in andere Gebiete mit anderen Sachzwänge tragen können, aber dieser Spezialfall wird hier aussen vor gelassen).

Äussere Sachzwänge 

Diese Gruppe von Sachzwängen besteht aus den Einflussfaktoren eines Gebietes, in dem sich eine Kultur zu etablieren versucht. Darunter fallen also Klima, Bodenschätze, Wasserwege, Nahrungsangebot, Krankheitserreger, Gebirgszüge und so weiter. Diese geben einer Kultur gewisse Möglichkeiten zur Entfaltung vor, während sie ihr andere Optionen ungünstig machen oder gar vorenthalten. Sie geben einen gewissen Rahmen vor, innerhalb dessen sich Gesellschaften bewegen können. Auch andere Kulturen in der Nachbarschaft bilden äussere Sachzwänge, welche das Handlungsspektrum einer betrachteten Kultur beeinflussen.

Dieses Umfeld steht in permanenter Wechselwirkung mit der Kultur und ihrer Angehörigen und begrenzt somit im Wesentlichen, welche Gesellschaftsformen sich ausbilden können. Ferner prägt es auch die biologische Erscheinungsform der Menschen in ihrem Einflussbereich. So werden Wüsten eher nomadischen, tribalistischen Gesellschaften hervorbringen, da diese gegenüber anderen Gesellschaftsformen im Vorteil sind und ihre Angehörige werden dunklere Pigmentierungen aufweisen, um ihre Haut gegen die stärkere ultraviolette Strahlung zu schützen. Gemässigte Gebiete im Norden werden eher sesshafte, individualistische Gesellschaften hervorbringen, da sich Landwirtschaft schon für kleinste Gruppen lohnt und ein einzelner Mensch somit weniger auf andere für sein eigenes Auskommen angewiesen ist (was vermutlich der Auslöser für den starken kulturellen Individualismus hier in Europa war).

Eine erschöpfende Beschreibung äusserer Sachzwänge und deren Auswirkungen auf die Entfaltungsmöglichkeiten einer Kultur und somit auf die grobe Richtung der Menschheitsgeschichte findet man in Jared Diamonds "Guns, Germs, and Steel".

Äussere Sachzwänge sind alle Einflussfaktoren, welche ausserhalb der betrachteten Kultur ihren Ursprung haben und die den Handlungsspielraum für Kultur und Individuen beeinflussen.

Innere Sachzwänge

Diese Sachzwänge entstehen aus den Eigenheiten der Kultur selbst und schränken jenen von den äusseren Sachzwängen vorgegebenen Handlungsspielraum für die Kultur und für ihre Angehörigen weiter ein. Dabei kann es sich unter anderem um Führerfiguren, Religionen, Sitten, Technologie oder Philosophien handeln. Diese können durch Verbote, Rituale oder Vorschriften die Möglichkeiten des Individuums und der Kultur einschränken und bei Nichtbefolgung häufig gravierende Konsequenzen für das Individuum bereithalten. Besonders hervorstechende Beispiele für innere Sachzwänge sind die Verbrennung von Witwen in der indisch-hinduistischen Kultur (Sati) und das Füsse-Binden (Lotosfüsse) bei chinesischen Frauen. Bei beiden Kulturen erleidet(e) das Individuum Repressionen, wenn es diesen inneren Sachzwängen nicht Folge leistete. 

Auch der Zeitgeist und die Mentalität der Menschen einer Kultur erzeugen innere Sachzwänge, da sie das Denken der Menschen prägen und in bestimmte Richtungen bewegen. Innere Sachzwänge entstehen aus der Reaktion einer Kultur auf äussere Sachzwänge. Wenn eine benachbarte Kultur A (äusserer Sachzwang) der Kultur B ihre Sprache aufzwingt, so dass Kultur B ihre Sprache verändert oder gar verliert (neuer innerer Sachzwang), kann es sein dass Kultur B ihren Zugang zur eigenen Vergangenheit und deren Literatur mehr und mehr verliert. Gerade die faszinierende Geschichte des Judentums zeigt hervorragend, wie äussere Sachzwänge (Exil in Babylon, Diaspora, etc.) dazu führen, dass eine Kultur gebildet wird, die mit straffen Massnahmen (innere Sachzwänge) ihre Identität über die Jahrtausende bewahrt. Ideologien, welche sich innerhalb einer Kultur durchsetzen, verändern oder ergänzen die bisherigen inneren Sachzwänge.

Eine vergleichende Analyse von inneren Sachzwängen zwischen verschiedenen Kulturen findet man in William J. Bernsteins "The Birth of Plenty", welcher die Gründe für den enormen Wohlstand des Westens in vier verschiedenen "Institutionen" (Eigentumsrechte, wissenschaftlicher Rationalismus, Kapitalmärkte, Transport- und Informationstechnologien) sieht, die bei ihm eine ähnliche Funktion haben, wie die hier beschriebenen inneren Sachzwänge.

Grosse Persönlichkeiten wie Napoleon, Einstein, Caesar oder Martin Luther sind durch ihre Talente und ihr Handeln in der Lage, die momentan herrschenden inneren und äusseren Sachzwänge entscheidend und nachhaltig zu ändern. Dabei wandeln sich bestehende Sachzwänge ab (Einfluss einer religiösen Institution schwindet) oder zusätzliche Sachzwänge entstehen (neue religiöse Strömungen). Das normale Individuum hingegen hat kaum Einfluss auf Sachzwänge, sondern muss sich diesen entweder fügen oder ihnen ausweichen, was wiederum ungünstig für eine betroffene Person sein kann. Sich zum Beispiel den äusseren Sachzwängen einer Wüste nicht zu fügen kann tödlich enden. Sich in Saudi Arabien nicht an den inneren Sachzwang des Verbots homosexueller Liebe zu halten, kann auch ungesunde Folgen mit sich bringen. 

Die Biologie des Individuums ist kein äusserer oder innerer Sachzwang, sondern bestimmt die Handlungsmöglichkeiten, mit denen sich ein Individuum innerhalb der Sachzwänge einer Kultur bewegen kann und bis zu einem gewissen Grad den Einfluss dieser Sachzwänge auch bis zu einem gewissen Grad ausweichen kann.

Innere Sachzwänge entstehen aus der Kultur selber und geben dem Individuum einen Handlungsspielraum im Rahmen der äusseren Sachzwänge, innerhalb dessen es sich bewegen muss, um sichtbar dieser Kultur anzugehören und um negative Konsequenzen zu vermeiden. 

Prinzip von Le Chatelier

Das Konzept der Sachzwänge wird deutlicher, wenn wir uns das Verhalten chemischer Systeme im Gleichgewicht anschauen, bei denen man Randbedingungen wie Druck, Temperatur und Teilchenzahl einer Systemkomponente ändert. Le Chatelier beschrieb die Anpassungsreaktion eines chemischen Systems auf Veränderungen solcher Randbedingungen mit seinem "Prinzip des kleinsten Zwanges".

Erhöht man den Druck, dem sich ein chemisches System ausgesetzt sieht, wechseln Stoffe von der Gasphase in den flüssigen oder festen Zustand (da so jener Druck, welcher auf einzelne Teilchen lastet, minimiert wird). Erhöht man die Temperatur eines Systems, werden jene Stoffumwandlungen beschleunigt, welche viel Wärme verbauchen um ablaufen zu können, während jene Stoffumwandlungen, die Wärme freisetzen, verlangsamt werden (da die Umgebung bereits mit Wärme "überfüllt" ist, diese in Form einer Temperaturerhöhung an das System abgibt und somit keine zusätzliche Wärme aus dem System mehr aufnehmen kann). Erhöht man die Teilchenzahl einer bestimmten Systemkomponente, so werden mehr Stoffumwandlungen mit dieser Teilchensorte ablaufen, um den entstandenen Überschuss abzubauen. All diese Anpassungsreaktionen führt das System aus, um wieder den Zustand eines Gleichgewichts zu erreichen (welcher durch die externe Änderung der Randbedingungen verlassen wurde), der energetisch am niedrigsten ist und somit von der Natur bevorzugt wird. 

Genauso wie das Gleichgewicht eines chemischen Systems versucht, den Druck seiner Randbedingungen nach den Regeln von Le Chatelier auszuweichen, wird auch eine Kultur auf die ihr auferlegten äusseren Zwänge reagieren, indem sie diese entweder mit Gegenmassnahmen abzumildern versucht (sich anpasst) oder ihnen aus dem Weg geht. Ähnlich verfahren Individuen innerhalb einer Kultur, welche sich mit den inneren Sachzwängen konfrontiert sehen.

Äussere Sachzwänge wie zum Beispiel Geographie oder benachbarte Kulturen geben den Rahmen vor, in dem sich eine Kultur in ihren Entfaltungsmöglichkeiten bewegen kann, während innere Sachzwänge durch die betrachtete Kultur selbst entstehen und den Rahmen dafür vorgeben, wie Individuen schlussendlich die Kultur regional und zu einem bestimmten Zeitpunkt manifestieren. Zusammen erlauben uns beide, kulturelle Muster besser zu verstehen. 

(Mit Hilfe von äusseren und inneren Sachzwängen lässt sich auch leichter verstehen, warum die feministische Ideologie ab einem gewissen Zeitpunkt im Westen so präsent wurde, während sie in anderen Kulturen bis vor Kurzem noch bedeutungslos blieb.)

Evolution von Kulturen

Nachdem wir nun den Rahmen oder die Umwelt (äussere Sachzwänge) und Begrenzungen durch die interne Mechanik (innere Sachzwänge) einer Kultur betrachtet haben, können wir uns mit der Entwicklung von Kulturen beschäftigen. Kulturen erscheinen innerhalb der Lebensspanne eines Individuums als mehr oder weniger statistisch, doch über den Lauf der Generationen betrachtet, verhalten sie sich dynamisch und entwickeln sich weiter, indem sie auf sich wandelnde Sachzwänge reagieren. Dies kann zum Beispiel eine Klimaveränderung sein, welche die Ernährungsgrundlage einer Kultur umgestaltet oder eine neue Ideoloige, welche mit neuen Vorschriften dessen Wesen umprägt.

Um diese entscheidenden Vorgänge besser zu verstehen, wenden wir die Evolutionstheorie auf Kulturen und deren Sachzwänge an.

Evolutionstheorie der Kulturen

Evolution wirkt auf allen Ebenen einer Kultur und weist folgende Eigenheiten auf:

- Verschiedene Interpretationen des Kulturschatzes (also Ideen, Ideologien, Religionen, Weltanschauungen, Lebensweisen) innerhalb einer Kultur sind unterschiedlich gut an die aktuellen inneren und äusseren Sachzwänge angepasst und stehen miteinander im Wettbewerb.

- Kulturelle Entwicklung findet dann statt, wenn (neue) Interpretationen durch zum Beispiel Zeitungen oder Propaganda sich innerhalb einer Kultur verbreiten, durch Erziehung oder Schulen an nächste Generationen weiter gegeben werden oder an andere Kulturen vermittelt werden.

- Durch die ständig wirkenden äusseren und inneren Sachzwänge erfolgt eine Auswahl (Selektion) bestimmter, besser angepasster Interpretationen, die sich in einer Kultur durchsetzen werden, was dazu führt, dass sich die Kultur zeitlich verändert. Jene Interpretationen, welche schlechter zu den Sachzwängen passen, werden mit der Zeit an Bedeutung verlieren oder sich gar nicht erst bemerkbar machen.

Äussere Selektion (Selektion durch äussere Sachzwänge) führt somit zur Reduzierung des Einflusses von schlechter an die äusseren Sachzwänge angepassten Interpretationen innerhalb einer Kultur, so dass besser angepasste Interpretationen sich durchsetzen werden. Innere Selektion hat den Effekt, dass solche Interpretationen, welche weniger zu den inneren Sachzwängen passen, von besser angepassten verdrängt werden.

Sachzwänge sind jedoch nicht deterministisch, sondern sie begünstigen lediglich bestimmte kulturelle Ausprägungen gegenüber anderen, so dass sich mittelfristig jene Kultur- und Gesellschaftsform durchsetzen wird, welche besser an die gerade herrschenden Sachzwänge angepasst ist. Im Gegensatz zum Sozialdarwinismus werden im Kulturalismus also nicht Menschen, sondern Interpretationen innerhalb einer Kultur selektiert.

Besser an die Sachzwänge angepasste Interpretationen einer Kultur verschaffen den Trägern (Individuen und Völker innerhalb einer Kultur, welche dieser Interpretation folgen) einen Wettbewerbsvorteil gegenüber jenen Trägern, welche unpassendere Interpretationen vertreten, so dass sich die erste Gruppe längerfristig durchsetzen wird. 

Kulturentwicklung

(In den folgenden Abschnitten werde ich einige geschichtlich nichteuropäisch-nichtwestliche Beispiele bringen - dies hat nichts mit jener verachtenswerten, antiwestlichen Einstellung zu tun, welche sich einem vermeintlich schlechten Eurozentrismus zu verweigern versucht, sondern weil gewisse Sachverhalte sich mit den ausgewählten Beispielen leichter erklären lassen.)

Sich ändernde äussere Sachzwänge führen dazu, dass Individuen innerhalb von Kulturen neue Bewegungen und Ideologien ausbilden, welche eine Antwort auf diese neuartigen Zwänge darstellen. Diese Strömungen propagieren neue Ideen und schlagen neue Gesetze vor, welche ihrer Meinung nach besser zu der aktuellen Situation der Kultur passen.

Dabei ist die Richtung der Anpassung an Sachzwänge nicht festgelegt. Es kann somit durchaus sein, dass eine fortschrittliche Gesellschaft aufgrund sich ändernden Sachzwängen sich auf ein niedrigeres Niveau zurück entwickelt, wie dies Jared Diamond für eine Siedlergruppe von Polynesiern beschreibt [1], welche als Bauern auf eine neue Insel kamen, die ihre agrarwirtschaftlichen Möglichkeiten geographisch nicht unterstützte, so dass sich die ehemals bäuerliche Gesellschaft als Reaktion sich zu einer Jäger/Sammler-Gemeinschaft zurückentwickelte und ihre landwirtschaftlichen Fertigkeiten verlor.

Passt sich eine Kultur im Vergleich zu anderen Kulturen langsamer an sich ändernde Sachzwänge an, so gerät sie relativ zu ihren Nachbaren ins Hintertreffen und wird mit der Zeit verdrängt werden. Kulturen sterben aus, wenn sich Sachzwänge viel schneller ändern, als die Geschwindigkeit, mit welcher eine Kultur sich aufgrund ihrer Charakteristiken anzupassen vermag, so dass konkurrierende Kulturen das Land und die Köpfe der geschwächten Kultur übernehmen (siehe unten). Dies ist in der Geschichte der Menschheit unzählige Male passiert, wie es Jared Diamond in seinem Buch "Collapse" beschreibt. So wird die osmanische Ausprägung der türkisch-anatolischen Kultur (Osmanenreich) unter anderem auch deshalb untergegangen sein, weil innere Sachzwänge (in Form einer immer orthodoxer werdenden Interpretation des Islams) es zur Stagnation und somit zur Wehrlosigkeit gegenüber einer sich rasant entwickelnden westlichen Kultur verdammten.

Kulturgeschichte ist das Resultat einer Evolution bestehend aus zahllosen Reaktionen und Anpassungsversuchen der betrachteten Kultur und der zugehörigen Individuen an sich wandelnde innere und äussere Sachzwänge. Die Geschichte der Menschheit ist dabei die Summe aller Kulturgeschichten. 

Kultureller Konservatismus

Innere Sachzwänge können Institutionen und Individuen einer Kultur dazu nötigen, sich gegenüber Veränderung unterschiedlich offen zu verhalten. So werden Kulturen, die unter sich rasch ändernden äusseren Sachzwängen stehen, sich eher dazu entschliessen, sich mit Neuem zu beschäftigen - alleine schon um darin vielleicht ein weiteres Mittel zu finden, mit dem sie die neuen äusseren Sachzwänge meistern können. Dies trifft vorallem auf die europäisch-westliche Kultur zu, welche im Vergleich zu der chinesischen und islamischen Kultur eine aussergewöhnliche Offenheit für fremdkulturelle Ideen aufwies und aufweist. Die abzulehnende Ideologie des Multikulturalismus, welche ihren Ursprung im Westen hat und die andere Kulturen zu Ungunsten unserer eigenen berücksichtigen und in Europa etablieren möchte, ist nur einer der aktuellsten (und negativen) Beweise für diese Tatsache.

Da Kulturen chaotische Systeme sind, können wir einzelne kulturkonservative Ereignisse nicht verwenden um die gesamte Kultur als träge oder wandlungsfeindlich zu bezeichnen. Erst wenn wir immer wieder aus allen Epochen relevante, historisch gravierende Ereignisse dieser Art für eine Kultur nachweisen können, könnten wir mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt postulieren, dass eine Kultur stark kulturell konservierend ist und dies in nächster Zeit auch mit abnehmender Genauigkeit je weiter man in die Zukunft blickt, so bleiben wird. Noch besser ist es, sich auf bestimmte Epochen einer Kultur zu konzentrieren, um den damals herrschenden Grad des kulturellen Konservatismus für diese Arä abzuschätzen.

Die chinesischen und islamischen Kulturen zeig(t)en lange Zeit eine aggressive Abwehrhaltung gegenüber fremdkulturellen Einflüssen und eine störrische Tendenz zur kulturellen Orthodoxie, was unter anderem auch deren Stagnation und Unterlegenheit gegenüber dem Westen verursachte. Dafür gibt es zahllose Beispiele.

Fortschrittsfeindlichkeit im Islam

Eines davon ist das tragische Schicksal eines Observatoriums in Istanbul des 16. Jahrhunderts, welches nach der Fertigstellung sofort vom Sultan auf Empfehlung seiner religiösen Berater hin zerstört wurde [5]. Im ähnlichen Stil wurde auch die Uhr im osmanischen Reich abgelehnt, da diese die von Allah bestimmte Zeit säkularisieren würde (dies geschah übrigens auch in christlich-orthodoxen Kirchen) [5]. Dies fällt zeitlich zusammen mit der dominierende Stellung des Dogmas "taqlid", nach dem Muslime islamisch-rechtliche Weisungen ohne jede Prüfung oder Evidenz zu akzeptieren hätten - was natürlich jede Neugierde für andere Kulturen und jeden wissenschaftlichen Rationalismus im Keim erstickt [5]. Kein Wunder also, dass der Westen relativ schnell Arabistik-Fakultäten in seinen Universitäten etabliert hat, während die araboislamische Kultur umgekehrt kaum mit Instituten zur Erforschung der westlichen Kultur (oder irgendeiner anderen, zeitgenössischen Kultur) auf den Aufstieg des Westens reagiert hat [4].

Sinozentristische Abschottung

Die Chinesen waren lange Zeit kein Deut besser, wenn es um Fortschrittsverweigerung ging. Zwar kannten die Chinesen Schwarzpulver und entwickelten primitive Kanonen, jedoch niemals Gewehre oder kriegstaugliche Geschütze, welche mit denen der Europäer mithalten konnten [3]. Sie kannten auch mechanische Uhren, diese wurde jedoch schnell wieder zerstört [3] - genauso wie die chinesische "Schatzflotte", mit der die Chinesen im Hochmittelalter angeblich den ganzen indischen Ozean bereist hätten, genauso wie alle Aufzeichnungen über die chinesische Geschichte vor der Machtübernahme durch den ersten chinesischen Kaiser Qin Shihuang. Die ausgeprägte Xenophobie, das sinozentrische Überlegenheitsdenken und die Verachtung für alles Nichtchinesische ist bereits für das Altertum ausführlich belegt [1]. Das selbst ernannte "Reich der Mitte" sah sich als das Höchste unter dem Himmel, dem jedes andere Reich tributpflichtig wäre - weshalb sollten gerade sie irgendetwas von den Barbaren jenseits ihrer Grenzen lernen müssen?

Erst in jüngster Zeit begann sich deren temporärer und völlig übertriebener, kultureller Konservatismus, welcher ihnen die zeitweise Unterwerfung durch den Westen einbrachte, langsam zu ändern. Kulturen müssen also den Spagat schaffen zwischen Bewahrung und Offenheit für Neues, wenn sie über lange Zeit überleben möchten. Doch dieses Neue muss wiederum zu den Charakteristiken einer Kultur passen und sich sinnvoll in das Gefüge der inneren Sachzwänge eingliedern lassen können, will es längerfristig bestehen. Somit ist nicht alles Neue und Andere automatisch ein guter Fortschritt, sondern es muss zum Bewährtem passen und sich der Essenz einer Kultur fügen.

Kultureller Konservatismus beinhaltet die durch innere Sachzwänge aufrechterhalte Tendenz einer Kultur, sich gegenüber äusseren Einflussfaktoren abzuschotten und ihre aktuellen Traditonen und Bräuche in ihrer Entwicklung einzufrieren. Während dies zu einem gewissen Grad für die Kontinuität der kulturellen Identität nötig ist, kann ein übertriebener Konservatismus eine Kultur daran hindern, sich an sich ändernde Sachzwänge anzupassen.

Interaktion zwischen Kulturen

Die Existenz von Kulturen benötigt Land, auf dem sich die Kultur in ihren Eigenheiten manifestieren und Köpfe, in denen eine Kultur atmen und mit denen sie sich weiter verbreiten kann. Nehmen beide für die eine Kultur zu, während sie für eine andere sinkt, so wird die erste die andere unweigerlich mit der Zeit verdrängen.

Dabei ist es den Kulturen in erster Linie egal, in welchen Köpfen sie sich einnisten (die Hautfarbe und somit rassische Weltbilder sind im Kulturalismus irrelevant) oder in welchem Gebiet sie sich manifestieren (Nationalismus wird durch den Kulturalismus obsolet), so lange sie immer mehr Köpfe und Gebiete für sich beanspruchen können. Wir werden diesen Sachverhalt mit mehreren historischen Beispielen veranschaulichen, welche die vitale Bedeutung von Köpfen und Land für das Überleben einer Kultur in einem Gebiet verdeutlichen werden. 

US-mexikanischer Grenzstreit (Köpfe)

Die Bedeutung von Köpfen für eine Kultur wird deutlich am Konflikt zwischen der mexikanischen Regierung und der USA im 19. Jahrhundert, welcher sich an Grenzgebieten entzündete. Aufgrund seines speziellen spanisch-kolonialen Erbes (Emulierung feudalistischer Grossplantagen nach spanischem Vorbild, restriktive Immigrationsgesetze für potenzielle spanische Kolonisten, Fokus auf Bergbau statt gesamtwirtschaftlicher Entwicklung) und zusammen mit politischen Wirren war Mexiko lange Zeit nicht in der Lage, grosse Gebiete New Mexicos, Arizonas und Texas effektiv zu besiedeln und zu kontrollieren (obwohl diese formell zu Mexiko gehörten).

Akuter Bevölkerungsmangel, aggressive Indianerstämme und andauernde, bürgerkriegsähnliche Zustände führten dazu, dass die rasch wechselnden mexikanischen Regierungen gezielt die Immigration englischsprachiger Kolonisten ("Anglos") in diesen Gebieten förderten, so lange diese zum katholischen Glauben wechselten und fortan gegenüber Mexiko loyal sind. Doch aufgrund von Machtlosigkeit konnte Mexiko niemals die verlangte kulturelle Loyalität der immer grösser werdenden Zahl von Anglos auf ihrem Territorium kontrollieren und durchsetzen, so dass es diese Territorien im Verlauf mehrerer Kriege und durch den "Gadsden Purchase" an die USA verlor.

Die mexikanisch-spanische Subkultur wurde also durch die nordamerikanisch-britische Subkultur in diesen Gebieten verdrängt, da nicht genügend Köpfe ihr gegenüber kulturell loyal waren.  Es standen zwar zahllose Köpfe zur Verfügung, doch diese konnten aufgrund der Machtlosigkeit Mexikos nicht kulturell assimiliert werden.

Chinesische Verdrängung tibetanischer Kultur (Land)

Die Chinesen besetzten Tibet um die Mitte des 20. Jahrhunderts herum und entzogen so der tibetanischen Kultur ihr Einflussgebiet. Dabei nutzten die Träger der chinesischen Kultur nicht nur ihre militärische Überlegenheit, sondern auch ihren starken Bevölkerungsdruck. Han-Chinesen, welche sich in Tibet ansiedeln ist es erlaubt, mehr als ein Kind pro Familie zu haben. Dies löste eine enorme Flut an chinesischen Kolonisten aus, welche zusammen mit kulturunterdrückenden Massnahmen Pekings dazu führen, dass die tibetanische Kultur mehr und mehr von ihrem Stammland in Ghettos und Reservate abgedrängt wird, wo sie in Armut und Elend langsam aber sicher verschwinden wird. Dies alles führt dazu, dass der tibetanischen Kultur die Kontrolle über ihr ehemaliges Kerngebiet entgleitet. Dabei ist es nicht unbedingt Bevölkerungsmangel, welcher diese kulturelle Verdrängung ursprünglich auslöste, sondern der Verlust an Souveränität und Land durch die chinesische Besetzung.

Ein weiteres exzellentes Beispiel für die Bedeutung von Land für Kulturen ist die Besiedlung Amerikas durch die Europäer bei dem die betroffenen Indianer klagten, dass man ihnen "ihr" Land weggenommen habe. Durch die Einkesselung in Reservate wurden den indianischen Kulturen effektiv ihre Territorien entzogen und somit eines ihrer essenziellen Lebensgrundlagen. Heute sind nur noch kümmerliche Überreste und Erinnerungen an diese einstigen Kulturen vorhanden.

(Rein technisch gesehen, stellt dies jedoch kaum ein Landraub dar, da der grösste Teil der Indianer (Diamond spricht von 95 % [1]) kurz nach der Landung der Europäer in Nordamerika durch vorauseilende, eingeschleppte Krankheiten umgekommen waren und die meisten der verbliebenen Jäger/Sammler-Gesellschaften das Konzept von Eigentumsrechten und somit juristisch nachweisbaren Landbesitz gar nicht kannten oder zumindest nicht anwendeten. Die Behauptung, Europäer hätten den Indianern das Land weggenommen, ist also juristisch gesehen nicht ganz korrekt, da die meisten sowieso schon weg waren und der Rest sich nicht auf jenem zivilisatorischen Niveau befand, auf dem Eigentumsrechte auf Land eine grosse Rolle spielen.)

Der Verlust an Land durch fremdkulturelle Aggression reduziert die Einflusssphäre einer betroffenen Kultur, was schlussendlich zu ihrer Erstickung in diesem Gebiet führt. 

Expansion von Kulturen

Nachdem wir uns die Natur innerer und äusserer Sachzwänge vor Augen geführt haben, uns der Evolution von Kulturen bewusst geworden sind und die Bedeutung von Land und Köpfern für eine Kultur verstanden haben, werden wir uns damit beschäftigen, warum gewisse Kulturen auf Kosten anderer expandieren oder weshalb manche kulturell spezifisch geprägte Gebiete schrumpfen.

Jede Kultur wird durch äussere Sachzwänge geformt. Die Charakteristiken und die Angehörigen einer Kultur werden sich langsam aber sicher diesem äusseren Rahmen anpassen oder sich in andere (besser angepasste) Kulturen eingliedern. Diese Anpassungsreaktionen der kulturellen "Seele" manifestieren sich in neue Institutionen (Regierungsformen, Wirtschaftsformen), während die Anpassungsreaktionen der kulturell programmierten Angehörigen an äussere und innere Sachzwänge neue Ideen, Ideologien, Religionen oder grosse Persönlichkeiten hervorbringen. Neue Institutionen der Fassade und neue Ideen und Handlungen der Individuen erzeugen wiederum neue innere Sachzwänge, welche wechselseitig auf die institutionelle Fassade  (das Bedürfnis einer Splittergruppe nach Unabhängigkeit kann einen Staat spalten) und auf die Trägerbevölkerung (ein Regimewechsel beschneidet die Rechte der Bevölkerung) wirken und auch das Wesen der äusseren Sachzwänge ändern können (Rodungen, Anbau neuer Pflanzensorten und somit stärkeres Bevölkerungswachstum).

Dieser Prozess läuft permanent für alle Kulturen auf diesem Planeten. Die Konsequenzen dieser Prozesse gipfeln in Symptome (überlegene Ideen und robustere Institutionen), welche bestimmten Kulturen gegenüber anderen Kulturen je nach Gebiet Vor- oder Nachteile einbringen. So konnten sich unsere europäischen Vorfahren aufgrund ihrer kulturellen und individuellen Anpassungsreaktionen fast überall auf der Welt wegen ihrer besseren Technologie und überlegenen Institutionen ansiedeln - ausser in jenen Gebieten, in denen sie von Gelbfieber oder Malaria dahin gerafft wurden. Offensichtlich herrschten dort äussere Sachzwänge, welche den Trägern der europäischen Kultur gegenüber jenen einheimischer Kulturen entscheidende Nachteile einbrachten. Folglich verlief die Expansion der europäischen Kultur in diesen Territorien langsamer als in anderen, welche günstigere äussere Sachzwänge aufwiesen. 

Bantu-Expansion

Wir werden diese gerade beschriebenen Mechanismen nun an der Expansion der Bantu-Kultur in Afrika von 3000 v. Chr. bis 500 n. Chr. genauer studieren [1]. Die Bantu-Kultur entwickelte sich vermutlich im heutigen Kamerun (nahe dem Äquator) und expandierte von dort über ganz Südafrika, da sie im Vergleich zu anderen afrikanischen Kulturen überlegene Pflanzensorten und eiserne Waffen und Werkzeuge aufwiesen, so dass sie einen erheblichen Teil anderer afrikanischer Kulturen der Khoisan, Pygmäen und weiterer Menschengruppen verdrängten oder absorbierten.

Die ihnen zur Verfügung stehenden Pflanzensorten erlaubten eine besser an die zentral- und südafrikanischen Gegebenheiten (dessen äussere Sachzwänge) angepasste und somit produktivere Landwirtschaft, welche zu einem starken Bevölkerungswachstum führte und ihre Waffentechnik gab ihnen im Vergleich zu gegnerischen Kulturen einen militärischen Vorteil. Dies führte dazu, dass die Bantu überall dort expandierten, wo sie ihre Vorteile ausspielen konnten (ein grosser Teil von Zentral- und Südafrika), während sie sich nicht in jenen Gebieten etablierten, in denen indigene Jäger/Sammler-Kulturen grössere Vorteile aufwiesen (Sahara, Westen Südafrikas), da die dortigen klimatischen Bedingungen ungeeignet für ihre Art der Landwirtschaft waren.

Ähnlich verliefen auch die Expansion von Elementen mesopotamischer Landwirtschaftskulturen über ganz Eurasien und die austronesische Expansion von Urvölkern aus China in den Pazifikraum [1].

Kultur und das Individuum

Kultur und das Individuum stehen miteinander in einer Wechselbeziehung. Während die Kultur mit Hilfe kultureller Programmierung und durch die inneren Sachzwänge ihrer kulturellen Fassade dem Individuum einen gewissen Rahmen für sein Bewusstsein und sein Handeln vorgibt, beeinflusst das Individuum durch die Art und den Grad seiner kulturellen Loyalität und durch seine Taten und Ideen, wie und ob sich Kulturen manifestieren.

Im Folgenden werden wir uns diese Konzepte genauer anschauen, welche auf einzelne Individuen, aber auch auf ganze Völker anwendbar sind.

Kulturelle Programmierung

Die Charakteristiken einer Kultur werden durch Erziehung, Schulen und Massnahmen der Organe der kulturellen Fassade dem Individuum in seiner Kindheit und Jugend unterschiedlich stark einprogrammiet, je nach Art und Intensität des wirkenden Einflusses. Die kulturelle Programmierung formt und prägt das Bewusstsein mit und gibt den Gedanken eines Individuums einen mehr oder weniger rigiden Rahmen vor und stellt die mentale Eingliederung des Individuums in den Trägerverband einer Kultur dar.

Dadurch werden auch bestimmte Präferenzen eingeprägt, die später mitbestimmen, wie Individuen sich entscheiden. Sie ist nicht frei wählbar, ist immer latent vorhanden und beeinflusst bis zu einem gewissen Grad alles, was das Individuum denkt, sagt oder tut. Das betroffene Individuum wird dabei weniger zu etwas gezwungen, sondern verspürt vielmehr einen inneren Drang, sich konform zu seiner kulturellen Programmierung zu verhalten. Er bekommt auch das unschätzbare Privileg, sich in den tausendjährigen Erfahrungsschatz seiner Kultur hineinfühlen und diesen emotional nachvollziehen zu können, während dieser für Aussenstehende anderer Kulturen nur oberflächlich über Geschichtsbücher erschliessbar ist. Denn Philosophien und Weltbilder können nur dann wirklich verstanden werden, wenn sie mit der dazugehörigen kulturellen Programmierung entschlüsselt worden sind. Denn eine andere kulturelle Programmierung oder auch nur der lediglich rational denkende Zugang zu einer fremdkulturellen Schrift verkürzt und verzerrt unweigerlich die Essenz des intellektuellen Erzeugnisses.

Dies hat als Konsequenz, dass wir Europäer uns zwar ein Leben lang mit chinesischer oder islamischer Philosophie beschäftigen können, doch sie werden uns niemals in ihrer wahren Form verständlich sein, da unsere kulturell-westliche Programmierung uns von einem endgültigen Erfassen abhält. Somit kann nur unsere  eigene, westliche Philosophie für uns die wahre Quelle für Weisheit sein. 

Die kulturelle Programmierung ist die nicht frei wählbare, psychologische Prägung durch den während der Erziehung des Individuums vorherrschenden Kultur und sie prägt seine Gedanken und Handlungen durch einen inneren Drang sich dieser zu fügen.

Kulturelle Loyalität

Ein Individuum oder ein Volk werden zwar kulturell geprägt, doch da sie Menschen sind, verfügen sie immer über einen freien Willen, welcher ihnen erlaubt, sich entweder ihrer kulturellen Prägung willentlich zu fügen oder sich ihr offen zu widersetzen. Somit steht jedem Individuum immer eine Wahl aus je nach Kultur und Heimat unterschiedlich mühseligen und teuren Alternativen zur Verfügung, zwischen denen es sich entscheidet. Diese Alternativen stellen dabei verschiedene Interpretationen entweder der eigenen oder einer fremden Kultur mit jeweils abweichenden Wertvorstellungen und unterschiedlichen Einstellungen gegenüber bestimmten Aspekten der kulturellen Fassade dar. Sobald sich ein Mensch für eine Option aus welchen Gründen auch immer entschieden hat, wird er sich gegenüber dieser loyal verhalten, bis neue Lebensumstände oder neue Alternativen ihn wieder vor die Wahl stellen.

Die Wahl der Loyalität gegenüber einer bestimmten Interpretation einer bestimmten Kultur wird unter anderem von den Präferenzen der kulturellen Programmierung beeinflusst, aber auch durch persönliche Erfahrungen und bewussten Entscheidungen. Sie richtet sich immer nach der wahrgenommenen Attraktivität der angebotetenen Interpretationen, welche sich durch politische Ereignisse oder durch gezieltes Werben wandeln kann. Die getroffene Wahl der kulturellen Loyalität entscheidet im Wesentlichen darüber, wie das Individuum oder ein Volk zu anderen Interpretationen und anderen Kulturen stehen und wie sie sich diesen gegenüber verhalten.

Kulturelle Loyalität sticht nur bei sich der Integration verweigernden Immigranten also offensichtliches Problem hervor, aber auch bei der einheimischen Bevölkerung muss das Ausmass der kulturellen Loyalität beachtet und mit kulturalistischen Massnahmen gesteigert werden. Dass dazu dringende Notwendigkeit besteht, erkennt man an verschiedenen linken, antiwestlichen Kreisen in der Politik und in der akademischen Welt, welche munter dem Moralrelativismus und der multikulturellen Ideologie frönen.  

Die kulturelle Loyalität kann bis zu einem gewissen Grad durch innere Sachzwänge einer kulturellen Fassade und anderer Individuen/Völker erzwungen werden, wird dann jedoch für eine gewisse Zeit nicht so tiefgehend und verlässlich sein, wie wenn sie aus freien Stücken gewählt wurde. Doch wird genügend lang und genügend gründlich Druck ausgeübt, so werden mit der Zeit bedrängte Interpretationen einer Kultur verschwinden (siehe dazu oben die Evolution von Kulturen). Diese Erkenntnis ist für die Immigrationsproblematik wichtig, bei der man heute nur noch mit harter Hand eine verspätete Integration säumiger Migranten erzwingen können wird.

Die kulturelle Loyalität eines Individuums oder eines Volkes zu einer bestimmten Interpretation einer bestimmten Kultur ist letztenendes für diese (mit unterschiedlichen Konsequenzen) frei wählbar und legt fest, wie sich diese gegenüber verschiedenen Interpretationen und Kulturen verhalten. 

Die entscheidende Bedeutung des Individuums

Die Zugehörigkeit eines Individuums oder eines Volkes zu einer Kultur besteht also aus zwei Teilen: Zum einen die erhaltene, kulturelle Programmierung und zum anderen die kulturelle Loyalität. Beide müssen nicht notgedrungenermassen deckungsgleich (gleicher Ursprung und Fokus) sein, sondern können sich auch durchaus widersprechen, wie man es bei Exponenten der Ideologie des Multikulturalismus sieht, welche zwar kulturell westlich programmiert wurden und eifrig die Früchte des Westens geniessen, sich jedoch anderen Kulturen gegenüber loyal verhalten.

Ein ähnliches Phänomen begegnet uns in der modernen Türkei, in der ein Volk zwar kulturell araboislamisch programmiert wurde, sich aber gegenüber einer Atatürk'schen Interpretation der westlichen Kultur als kulturelle Fassade loyal verhält. Dieser Widerspruch zwischen kultureller Programmierung und kultureller Loyalität nährt tiefe Spannungen zwischen prowestlichen und proaraboislamischen Kräften in der Türkei.

Das Individuum oder das Volk entscheiden schlussendlich durch die von ihnen gewählte kulturelle Loyalität und ihre daraus folgenden Handlungen ob und wie sich eine Kultur in einem Gebiet manifestiert. Da Träger deshalb eine zentrale Bedeutung für das Überleben und die Verbreitung einer Kultur haben, kann diese von den Menschen und Völkern in ihrem Einflussbereich kulturelle Loyalität und Pflichterfüllung verlangen, als Dank für die Leistungen und den identitären Fixpunkt, welche eine Kultur den Menschen in ihrem Einflussgebiet zukommen liess/lässt. Es obliegt dem Individuum somit gegenüber seiner Kultur eine besondere Verantwortung, genauso wie Eltern gegenüber ihren (ungeborenen) Kindern verantwortlich sind. So wie vorbildliche Eltern ihre Kinder nicht verweisen lassen, so soll auch ein Individuum seine eigene Kultur nicht vernachlässigen.

Aufgrund dieser dritten Interessenspartei (neben dem des Individuums und des Staates), welche so einen enormen Einfluss auf die Menschen und ihre Gesellschaftsformen hat und der wir so viel zu verdanken haben, ist es mehr als angemessen, der westlichen Kultur den Status einer separaten Rechtspersönlickeit zuzusprechen, dessen Anliegen in der Politik mindestens so vehement vertreten werden müssen, wie jene des Volkes oder jene des Staates.

Da das Individuum es schlussendlich in der Hand hat, wie sich seine Kultur manifestiert, ist er ihr gegenüber verantwortlich und muss somit für das Recht, die Früchte seiner Kultur geniessen zu dürfen, für diese in die Pflicht genommen werden, da Rechte und Pflichten untrennbar miteinander zusammenhängen, wenn eine Gesellschaft überleben will.

Integration und Assimilation

Erwachsene Migranten der ersten Generation tragen noch die kulturelle Programmierung der fremden Kultur in sich und können somit maximal die Gesetze des Gastgeberlandes einhalten und dessen Sitten respektieren, sie werden jedoch nicht die Kultur des Landes vollständig übernehmen können, da die kulturelle Programmierung so gut wie unabänderbar ist. Diese können sich somit maximal integrieren, indem sie die kulturelle Loyalität zu ihrer Geburtskultur aufgeben und auf die Gastgeberkultur richten. Erst Secondos und Tertios, die im neuen Land aufwachsen und mit der Erziehung die kulturelle Programmierung erhalten, werden von der Gastgeberkultur assimiliert.

Erwachsene Menschen anderer Kulturen können sich in einer neuen Kultur höchstens integrieren, da sie noch ihre alte kulturelle Programmierung aufweisen, während Kinder von Migranten bei passender Erziehung von der neuen Kultur assimiliert werden können.

Anwendung auf das Immigrationsproblem

Gerade bei der Integrationsdebatte können die Erkenntnisse durch den Kulturalismus sinnvoll angewendet werden. Auf der einen Seite haben wir die heute aktuelle Interpretation der westlichen Kultur mit ihren Wertvorstellungen und auf der anderen Seite haben wir eine Teilmenge innerhalb der Migranten, welche sich immer noch kulturell loyal gegenüber einer aktuellen Interpretation der araboislamischen Kultur verhalten und sich weigern, ihre kulturelle Loyalität auf die westliche Kultur zu verlagern. Diese Wertekollision erzeugt die aktuellen Immigrationsprobleme.

Dies wird deutlich an der Ghettoisierung der Türken in Deutschland, von denen viele in den Grossstädten in eigenen Vierteln leben, in denen alles auf Türkisch angeschrieben ist und nur Türken wohnen. Die Ghettoisierung hat dabei den (beabsichtigten) Effekt, dass sich eine Migrantengruppe von den inneren Sachzwängen einer herrschenden Kultur abschmirmen kann und so wiederum die eigenen inneren Sachzwängen ihrer fremdkulturellen Interpretation ungehemmter entfalten können. Auch weisen sie gegenüber anderen Migrantengruppen unterdurchschnittliche Leistungen bei der Bildung, dem sozialen Aufstieg und bei Integrationsanstrengungen auf. Viele von ihnen leben von Sozialhilfe und die Türken zweiter und dritter Generation fallen in puncto Integration sogar hinter der ersten Generation zurück (siehe dazu: Thilos Sarrazins "Deutschland schafft sich ab").

Während innereuropäische Migrantengruppen erheblich weniger Probleme bei der Integration verursachen, sind gerade muslimische Migranten die grössten Integrationsverweigerer, die es momentan in Europa gibt. Die Integration von Miteuropäern verläuft im Kontrast dazu deshalb wesentlich leichter ab, da sie sich bisher einer naheverwandten Interpretation der westlichen Kultur gegenüber loyal verhalten haben, so dass der Wechsel von dieser Interpretation zu einer der (anderen) westeuropäischen Varianten ein Leichtes ist. Doch Muslime aus dem Nahen Osten oder aus Afrika hängen nicht nur einer völlig anderen, häufig inkompatiblen Interpretation an, sondern diese gehört auch noch zu einer komplett anderen Kultur (welche seit über 1400 Jahren mit jener des Westens verfeindet ist).

Diese negativen Zustände wird man nur mit dem Pochen auf die europäisch-westliche Leitkultur und mit folgerichtigen Massnahmen beseitigen können. Man muss durch die gezielte Wahl von neuen inneren Sachzwängen (Streichung der Sozialhilfe für integrationsunwillige Migranten, Abschiebungen, harte Strafen für Ehrenmorde, Umsiedlung, Unterbindung der aussereuropäischen Beeinflussung, etc.) die konkurrierenden, fremdkulturellen Interpretationen, welche bestimmte Gruppen von Migranten in Europa anhängen behindern und schlussendlich verdrängen. Die Schweiz mit der Minarettinitiative und der Ausschaffungsinitiative, aber auch Frankreich mit seinem Burkaverbot haben vorgezeigt, in welche Richtung der Kurs gehen muss. Ziel muss kurzfristig die Integration säumiger Migranten und langfristig die vollständige Assimilation aller kulturell nicht-westlichen Bevölkerungselemente in die westliche Kultur sein. Aus der Perspektive des westlichen Kulturalismus kann es in dieser Hinsicht keine Kompromisse geben, denn er ist der Verteidigung und Proliferation der westlichen Kultur verpflichtet.

An der Integrationsproblematik und mit dem Konzept der kulturellen Loyalität kann man gut zeigen, dass nicht der Mensch an sich das Problem ist, sondern welcher Kultur und somit wessen Wertebündel er sich gegenüber loyal verhält. Somit ist nicht der Muslim als Mensch ein Problem (wie es rassische Weltbilder vertreten würden), sondern wenn er sich gegenüber kulturell mit dem Westen inkompatiblen Interpretationen des Islams loyal verhält.  

Konklusion

Wir haben nun nicht nur gesehen, dass Kulturen durch natürliche Tendenzen des Menschen entstehen und durch äussere Sachzwänge geprägt werden, sondern dass sie aufgrund ihrer inneren Sachzwänge einen realen, entscheidenden und schwerwiegenden Einfluss auf das Individuum, die Gemeinschaft und die Geschichte haben. Umgekehrt trägt jede Handlung eines jeden Individuums dazu bei, wie eine Kultur sich manifestiert und entwickelt.

Aus diesen Gründen ist es von zentraler Bedeutung, Kultur nicht einfach nur zu berücksichtigen, sondern in den Mittelpunkt politischer Massnahmen zu rücken und sie gerade deswegen zu verteidigen, weil sie einerseits einflussreich und wir deshalb gerade der westlichen Kultur enorm viel zu verdanken haben, doch andererseits auch anfällig ist und sogar ausssterben kann. Nur durch den Schutz unserer Kultur können wir unsere Art von Gesellschaft aufrechterhalten, da andere Kulturen ihre eigenen inneren Sachzwänge und Charakteristiken mit sich bringen, die nicht unbedingt mit einer modernen, westlichen Gesellschaft kompatibel sind. Deshalb kann von jedem Individuum, welches sich kulturell loyal zum Westen verhält, Pflichterfüllung gegenüber seiner Kultur eingefordert werden, während von kulturell nichtwestlichen Bevölkerungsteilen im Einflussgebiet des Westens auf kurzer Sicht Integration und auf langer Sicht Assimilation verlangt werden muss.

In einem der folgenden Blogeinträge zum Thema Kulturalismus werden wir sehen, warum gerade politisch rechte Konzepte sich besonders gut zur Bewahrung unserer Kultur eignen und weshalb linke Ideen dafür untauglich sind. Wir werden sehen, dass diese Tatsache sogar jenen Menschen einleuchtet, welche sich normalerweise rechtem Gedankengut verweigern, aber dennoch aufgrund ihrer kulturellen Loyalität zum Westen die Notwendigkeit eines Wandels hin zu einem neuen rechts-kulturalistischen Zeitgeistes erkennen. Und obwohl wir nun den grössten Teil der Theorie des Kulturalismus besprochen haben, müssen wir uns auch noch mit der Delegitimierung des Moralrelativismus beschäftigen. Dann besitzen wir alle benötigten intellektuellen Werkzeuge, um den Kulturalismus anwenden zu können. 

Diese weltanschauliche Alternative im politisch rechten Spektrum ist bitter nötig, denn rassische Weltbilder sind nicht nur völlig ungeeignet um die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts zu verstehen, sondern sie sind auch nicht im Stande, die Dynamik von Kulturen auch nur ansatzweise zu beschreiben. Rechtes Gedankengut, welches mit rassischen Weltbildern operiert, wird also zwangsläufig in eine politische Sackgasse laufen - alleine schon deswegen, weil es nicht angemessen auf den heutigen Kampf der Kulturen reagieren kann.

Wir verdrängen rassische Weltbilder somit nicht aus Gründen des Mitleids, sondern weil sie uns davon abhalten, unsere westliche Kultur effektiv zu schützen. 

Wir jungen Rechten müssen uns im Gegensatz zu den Vertretern altrechter Ansätze nicht ängstlich in der Vergangenheit verstecken, sondern wir sollen aktiv in die Zukunft marschierend jenes aus den Weltbildern der Vergangenheit und Gegenwart für uns gewinnen, was wir im 21. Jahrhundert brauchen können und Untaugliches ohne zu zögern herausfiltern. Denn der neue rechte Zeitgeist wird nicht mit obsoleten, politischen Ansichten von vor der französischen Revolution errichtet, sondern mit einer politischen Synthese aus Bewährtem und Neuem.


Die Schule von Athen

Quellen

[1] Jared Diamond (1997): "Guns, Germs, and Steel". Eine erschöpfende Auflistung fast aller äusseren Sachzwänge, die in der Menschheitsgeschichte auf Kulturen gewirkt haben. Obwohl der Autor sich gelegentlich in bemitleidenswerten, antiwestlichen Anfällen verliert, ist dieses Buch als Nachschlagewerk  dennoch unschätzbar wertvoll.

[2] John Kenneth Press (2007): "Culturism". Der Autor versucht amerikanisch-rechtes Gedankengut kulturalistisch zu fundieren indem er unter anderem rassische Weltbilder delegttimiert. Er analysiert dabei die Bedeutung und Wirkung von Kulturen in Bereichen der Geschichte, Psychologie, Natur und Philosophie. Es weist gelegentlich antieuropäische, insbesondere antikatholische Passagen auf.  Press lehnt universelle Rechte und absolute Moral ab und zeigt damit seine moralrelativistische Prägung auf. Das Werk ist dennoch als Inspirationsquelle äusserst nützlich.

[3] Samuel P. Huntington (1996): "Kampf der Kulturen". Dieses Werk gibt einen ausführlichen Einblick in den vom Titel bereits angedeuteten Kampf der Kulturen im 21. Jahrhundert. Weltpolitik ist für den Autor eine Interaktion verschiedener Weltkulturen, so dass die Kategorie Kultur immer mehr von entscheidender Bedeutung wird. Auch Huntington lehnt die universalistischen Tendenzen der westlichen Kultur ab, da diese "falsch, unmoralisch und gefährlich" seien. Dennoch ein äusserst erhellendes Werk.

[4] William J. Bernstein (2004): "The Birth of Plenty". Sehr empfehlenswertes Werk, welches die genauen Gründe für die wirtschaftliche Überlegenheit des Westens gegenüber anderen Kulturen analysiert und diese auf die vier Institutionen Eigentumsrechte, wissenschaftlicher Rationalismus, Kapitalmärkte und Transport-/Kommunikationstechnologien zurückführt.

[5] Rodney Stark (2005): "The Victory of Reason". In diesem Werk wird der Zusammenhang zwischen Christentum und viele Institutionen und Eigenheiten des Westens beschrieben. Systematisch geht der Autor auf die christlichen Wurzeln und Ursprünge der modernen Wissenschaften, politischen Institutionen und Wirtschaftsformen der letzten tausend Jahre. Von Linken als revisionistisch verschrien, da dieses Buch ihre eigenen Klischeevorstellungen und Vorurteile nicht bestätigt. 

[6] Jared Diamond (2005): "Collapse". Dieses Buch beleuchtet die Gründe für den Untergang verschiedener Gesellschaften, weil sie sich nicht rechtzeitig an sich ändernden äusseren Sachzwängen angepasst haben.