Samstag, 18. April 2009

Eintauchen in die Welt der Computerspiele - Fluch oder Flucht?

Jedes Mal wenn es um negative Schlagzeilen geht, in denen die Jugend verwickelt ist, erhebt man vorwurfsvoll den Zeigefinger in Richtung Computerspiele. Seien dies nun Amokläufe, bei denen man den sogenannten Killerspielen einen erheblichen Einfluss andichtet oder wenn es darum geht, dass erwachsene Männer sich nicht mehr auf ernsthafte Beziehungen mit Frauen einlassen. Auch die schlechteren Noten und die Fettleibigkeit von Jungen werden gerne mit diesem neuen und vielfach völlig falsch verstandenen Medium in Verbindung gebracht.

Sind Computerspiele wirklich so teuflisch und gefährlich, wie sie immer dargestellt werden? Ist das Eintauchen in die Welt der Computerspiele jugendgefährdend? Ist die Erde eine Scheibe? Gibt es Yetis?

Alles Fragen, welche wir heute etwas unter die Lupe nehmen wollen (ausser die letzten beiden).


Die Hetze

Dabei haben sich nun in letzter Zeit unzählige, halbgebildete Pseudospezialisten ins Rampenlicht geschoben, welche alles daran setzen, um Computerspiele zu verdammen und zu verbieten. Christian Pfeiffer fällt mir da spontan ein. Eine Figur, welche der deutschsprachigen Männerbewegung schon seit längerem als lila Pudel und Misandrist bekannt ist. Aber auch Günther Beckstein und so manche Polizeistelle versuchen sich auf Kosten der Computerspiele zu profilieren. Auch Sendungen wie Frontal 21 schiessen sich politisch korrekt auf die (für die betagteren Herrschaften) neuartige und unverständliche Unterhaltungsform ein.


Korrektur einer einseitigen Hetze

Die TAZ berichtete, wie peinlich uninformiert und unsinnig wieder einmal gegen Computerspiele gehetzt wird.

Auch Arne wies schon darauf hin, dass nicht alle grossmäuligen Teilnehmer an dieser Diskussion wirklich Ahnung von der Materie haben.

Man fragt sich zurecht, ob diese 50+ Menschen überhaupt je einmal eine Maus in den Händen gehalten, geschweige denn ein Computerspiel gespielt haben.

Auch in der Gamerszene selbst weist man darauf hin, dass die Recherchen vieler Journalisten nicht nur mangelhaft, sondern deren Themenbearbeitung ein wildes Durcheinander von Fakten, Phantasien und Prestigegeilheit ist. Scrollt mit dem Mausrad durch die Powerpoint-Präsentation und seht euch das Video mal in Ruhe an und ihr werdet feststellen wie peinlich fehlerhaft und einseitig die Medien über Computerspiele berichten.


Die Bedeutung von Computerspielen

Doch warum werden Computerspiele überhaupt gespielt?

Da gibt es die offensichtlichen Gründe. Zum einen machen Computerspiele Spass und sind ein faszinierender Zeitvertreib. Im Gegensatz zum Fernseher, bei dem man passiv vor dem Bildschirm sitzt und sich die Degeneration des heutigen medialen Programms reinzieht, muss bei Computerspielen selber die Initiative ergriffen werden. Der Spieler muss aktiv eingreifen oder gestalten, ein weiterer Reiz dieses neuen Unterhaltungsform.

Weniger offensichtlich ist die verbindende Eigenschaft vieler Computerspiele, bei denen riesige Communities entstehen. Das sind unzählige gleichgesinnte Spieler aller Altersstufen, welche sich im Internet zum gemeinsamen Spielen oder im Real-Life zu LAN-Parties treffen. Viele von ihnen schliessen sich zu Clans zusammen um zusammen als Team gegen andere zu spielen. Es gibt unzählige Ligen und Meisterschaften (E-Sports) wie bei anderen Sportarten auch. Diese soziale Komponente, welche ein enormer Austausch zwischen vielen verschiedenen Menschen ermöglicht, wird vielfach völlig übersehen.

Desweiteren sprechen Computerspiele den Drang vieler Männer an sich zu verbessern und sich zu behaupten, indem der Spieler anhand von Ranglisten seinen Fortschritt und seine Fähigkeiten mit anderen Spielern vergleichen kann.

Völlig übergangen wird auch, dass viele Männer sich nach einem Medium sehnen, in dem sie sich kreativ austoben und Dinge erleben können, welche sie sonst niemals zu Gesicht bekämen. Der Entdeckersdrang und der Wille zur Gestaltung der Realität werden durch Computerspiele wie kein anderes Medium angesprochen. Der Wunsch Abenteuer mit einer bisher unerreichten Intensität zu erleben, wird hier erfüllt.

Natürlich wird so ein Medium, welches so sehr Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse von Männern nimmt, von unserer gynozentrischen Gesellschaft sehr kritisch betrachtet. Denn es ist für Frauen und für die Gesellschaft schwierig zu kontrollieren. Für viele Männer stellen Computerspiele schlicht und einfach eine Flucht in eine Welt dar, in der nicht alles auf die Bedürfnisse der Frauen ausgerichtet ist. In der Männer für einmal sich selber sein können.


Schlussfolgerung

Natürlich kann ein Zuviel an Computerspielen schlecht sein, doch das ist mit allen Dingen so. Wir haben es hier nicht mit einem Teufelswerk zu tun, sondern vielmehr mit der Angst vor etwas Neuem und die Unfähigkeit der Gesellschaft, fortschrittliche und zukunftsträchtige Formen der Unterhaltung zu verstehen.

Ältere Menschen, welche die Fotographie und den Film als Kunst bezeichnen und diese Medien in den höchsten Tönen loben, Computerspiele jedoch ihre Kunsthaftigkeit absprechen übersehen, dass damals bei der Einführung der Fotographie und des Films diese neuen Unterhaltungsformen genauso verteufelt und dämonisiert wurden.

Bis all die alten Knacker gestorben waren und nur noch die Film- und Fotographiekonsumenten übrig blieben ...

Deus Ex

Eines der besten Computerspiele, die je entwickelt wurden.

Kommentare:

bitter_twisted hat gesagt…

Irgendwie bin ich richtig neidisch auf die Kinder von Heute. Was sie mit ihren Computerspielen haben ist besser als "Kindheit mit Führerschein"

Eibi hat gesagt…

ahhh deus ex. :) welch Freude. Du bist wahrlich kein Kostverächter. :)

Deine Gedanken sind sehr passend und richtig. Aber einZitat fehlt noch:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,545037,00.html

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Bergmann: Gut, dass Sie das ansprechen. Das ist nämlich auch so eine Entwicklung, die völlig falsch verstanden wird. Schauen Sie sich doch mal die moderne Kultur an: Internet, globale Wirtschaft, Börsengeschehen, die ganze digital durchwirkte Gesellschaft - das ist eine reine Männerproduktion. Es gibt bei der Entwicklung des Internets und den digitalen Technologien keine bedeutenden weiblichen Anteile. Unsere Wirklichkeit besteht aus reinen Männerfantasien. Es ist nämlich gerade nicht so, dass die Gesellschaft die Männer an den Rand gedrängt hat, im Gegenteil: Was wir heute erleben, ist die Fortsetzung und Zementierung der Männerkultur mit digitalen Mitteln. Die Frauen sind nicht zufällig noch immer nicht in den Spitzenpositionen angekommen. Sie bewegen sich lediglich hervorragend in einem Bildungsideal, das gar nicht mehr zeitgemäß ist. Die Jungs sind da schon längst wieder weiter. Das wird die männliche Dominanz fortschreiben.

SPIEGEL ONLINE: Und das wäre Ihre Warnung an alle Frauen, die glauben, endlich am Ziel zu sein?

Bergmann: So ist es. Das Lesen und Schreiben, das die Mädchen nachweislich besser können, ist zutiefst verschieden vom Lesen und Schreiben und Interagieren im Internet. Für die Bewältigung, das schnelle Reagieren und die Selektierung der heutigen Medien- und Bilderflut, von den Börsen bis in andere digitale Vorgänge, dies alles lernen die kleinen Mädchen nicht. Sie lernen, sich in der Schule anzupassen. Sie erlernen Fähigkeiten, die man in einer Gesellschaft modernen Zuschnitts nicht mehr unbedingt braucht.

SPIEGEL ONLINE: Von solchen Entwicklungen um sich herum können kleine Jungen noch gar nichts wissen - wie können sie dann aus einem Erziehungssystem, wie Sie es beschreiben, ausscheren?

Bergmann: Das ist in der Tat faszinierend. Ich glaube, das ist kulturelles Menschheitserbe. Von den antiken Philosophen bis zur digitalen Revolution der Neuzeit, all diese fantastischen, Zeit und Raum überspringenden Welten, all das ist doch eine durchgängige Geschichte des männlichen Geistes. Und die Jungen von heute schließen sich sowohl biologisch wie mental daran an. Nur merkt das niemand. Das ist ein somatisch unbewusster Vorgang - eine lange Menschheitsgeschichte, die sich mit jeder Generation fortsetzt. Daran wird auch die propagandastärkste Emanzipation nichts ändern.
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Wir sind an der Zukunft dran. :)

ajk

Anonym hat gesagt…

Eyyyyy!
Ich bin 50 Plus - und NICHT tot. Nicht, solange ich Euch bei Online-Games noch in die Ärsche treten kann und Total War oder C & C nicht auf der Anfängerstufe spielen muss! Nur bei GTA komm ich nie so recht weiter, schnüff. Könnte allerdings daran liegen, dass ich dauernd den vorbeikommenden Frauen in die Fresse haue und dann verhaftet werde. Mit dem aufgrund meiner abgrundtief bösen Spielleidenschaft sicher noch anstehenden Amoklauf hab ich aber ein echtes Problem: Meine gute alte Schule gibt's gar nicht mehr - längst abgerissen ... Watt nu? Heckler & Koch gucken schon ganz traurig.