Posts mit dem Label Innovation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Innovation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Die Entdeckung arsenbasierter Mikoorganismen

Gerade hat NASA bekannt gegeben, dass ihre Astrobiologie-Abteilung das terrestrische Bakterium mit der Bezeichnung GFAJ-1 entdeckt hat, welcher als erster bekannter Organismus in seiner Biochemie das Element Phosphor durch Arsen ersetzt hat.

Dieser exotische Mikroorganismus wurde im Mono Lake in Kalifornien gefunden. Dies ist ein See, der dreimal salziger als Meerwasser ist und welches hohe Arsenkonzentrationen aufweist.

Bisher dachte man, dass alles Leben hier auf der Erde immer aus Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel, Wasserstoff, Sauerstoff und Phosphor, den sechs Bausteinen lebendiger Materie, aufgebaut war. Die Biomoleküle aller Organismen bestehen zum allergrössten Teil aus diesen sechs Elementen. Doch nun hat man herausgefunden, dass eines dieser essenziellen Elemente durch Arsen ersetzt werden kann.

Dies hat gewaltige Auswirkungen auf unser Verständnis des Lebens hier auf der Erde und auf anderen Planeten.


Das Experiment

Schon seit längerem spekulierten einige Wissenschaftler über die Substitution des Phosphors durch Arsen. Sie wollten diese Vermutung testen und führten folgendes Experiment durch.

Sie erstellten ein selektives Nährmedium, das kein Phosphor aufwies, jedoch hohe Konzentrationen an Arsen beinhaltete. Sie fügten eine Probe aus dem Mono Lake hinzu und schauten, ob bestimmte Mikroorganismen dennoch leben konnten. Normalerweise sollte in dieser lebensfeindlichen Brühe nichts überleben können, doch dieses spezielle Bakterium namens GFAJ-1 überlebte nicht nur, sondern begann sogar stark zu wachsen.

Die phosphorfreie, arsenreiche Umgebung des Experiments war also ideal für GFAJ-1, während es für jede andere Lebensform tödliche Auswirkungen hatte. Durch diese Hürde (das fehlende Phosphor) konnten die Wissenschaftler alle anderen, uninteressanten Mikroorganismen ausschliessen und gezielt (selektiv) mit dem Medium arsenbasierte Mikoorganismen wie GFAJ-1 aufpäppeln, ernähren und wachsen lassen.


Phosphor und Arsen

Phosphor ist limitierend für alles Leben, da es einer der sechs essenziellen Baustoffe für die herkömmliche Form des terrestrischen Lebens ist. ATP (Energievermittler), DNA (Träger des Erbguts), NADH (Elektronentransportmolekül) und viele andere Biomoleküle bestehen aus Phosphor. Alles Leben ist somit auf Phosphor angewiesen - ohne Phosphor ist das bisher uns bekannte Leben nicht möglich. Industriell verwendbares Phosphor ist eine Mangelware auf diesem Planeten, da es nur an wenigen Stellen weltweit gefördert werden kann und da es die Grundlage der modernen Nahrungsversorgung als Bestandteil von Düngemitteln darstellt.

Arsen verhält sich chemisch ähnlich wie Phosphor, da es gleich viele Elektronen in der Valenzschale aufweist. Dies wird dadurch deutlich, dass sich Phosphor und Arsen im Periodensystem in der gleichen Hauptgruppe (untereinander) befinden. Genauso wie Phosphor kann Arsen mit seinen fünf Valenzelektronen ähnliche Bindungskonstellationen eingehen, so dass diese beiden Atome leicht miteinander ersetzt werden können.

Dieses Prinzip der chemischen Ähnlichkeit, die auf ähnliche Elektronenverteilungen in der äussersten Schale basieren, liess schon früh Wissenschaftler darüber spekulieren, ob es nicht auch Leben auf Siliziumbasis gäbe, das statt Kohlenstoff als häufigster Baustein Silizium aufweist. Die Substitution des Kohlenstoffs durch Sililzium wurde bisher jedoch nicht gefunden. Dafür konnte man nun zumindest nachweisen, dass ein anderes der sechs wichtigsten Bausteine des Lebens ersetzt werden kann - und somit das Ersatzprinzip bei den essenziellen Bausteinen des Lebens Tatsache ist.


Die Besonderheit von GFAJ-1

Was ist nun so besonders an GFAJ-1? Es ist die erste nachgewiesene Lebensform, bei der alle Biomoleküle statt Phosphor Arsen verwenden. Seine DNA, sein ATP und all die anderen wichtigen Moleküle sind somit völlig anders aufgebaut als das bisher auf dieser Erde bekannte Leben.

Bisher wusste man nicht, dass DNA mit Arsen statt Phosphor genauso stabil und funktionstüchtig wäre, wie das schon bekannte Original. Welche chemischen Besonderheiten und neuen biologischen Eigenschaften ergeben sich aus dieser Substitution? Beeinflusst der Ersatz das Ablesen der Gene? Verleiht sie dem Organismus neue Möglichkeiten? Wie kommt es mit der Toxizität des Arsens zurecht? Lassen sich diese Organismen für neue bahnbrechende Technologien wie der Abwasserreinigung oder der Phosphorrecyclierung einsetzen?

Es ist als ob wir erstmals mit Hemden aus synthethischen Fasern konfrontiert werden, die unsere bisherigen Kleidungsstücke aus Baumwollfasern und Wolle völlig in den Schatten stellen und mit neuen, genialen Eigenschaften locken.

In diesem Video wird vorgeführt, wie die orangefarbenen Phosphoratome in den Modellen der DNA, des NADH und des ATP durch grüne Arsenatome ersetzt werden, so dass sie die völlig neuen Biomoleküle von GFAJ-1 repräsentieren:


Konsequenzen

Der Nachweis von GFAJ-1 wirft ein faszinierendes neues Licht auf das vielseitige und äusserst anpassungsfähige Leben. Obwohl es sich nachwievor um einen terrestrischen Organismus handelt, zeigt er uns doch auf, welche enorme Verschiedenheit sogar direkt vor unserer Haustüre noch auf Entdeckung harrt.

Genauso wie Gesellschaftsformen, sind auch Mikroorganismen und alles Leben äusseren (naturwissenschaftlich beschreibbaren) Sachzwängen unterworfen, welche den Spielraum der Gesellschaften und Lebewesen diktieren und denen sie sich anpassen und die sie mit etwas Glück sogar überwinden können. Während alle anderen Bakterien krepieren, schafft es GFAJ-1 in einer Umwelt frei von Phosphor zu überleben. Es ist als ob man einer Gesellschaft dabei zuschaut, wenn sie zum ersten Mal ein funktionstüchtiges Flugzeug baut und den Himmel für die Menschheit erobert.

Als weitreichende Konsequenz muss man aus diesem Fund wohl ziehen, dass es nicht die atomare Identität der Bausteine des Lebens ist, welche sie essenziell machen, sondern ihre Anzahl Bindungen, zu denen sie fähig sind und allgemein ihr chemisches Verhalten. Offensichtlich können Elemente mit ähnlicher Bindefähigkeit und ähnlichen chemischen Eigenschaften fast beliebig im Leben ausgetauscht werden, sofern die Umweltbedingungen durch natürliche Selektion die Organismen in eine bestimmte Richtung zwingt. 

Konkret ausgedrückt: Es ist im Prinzip egal, ob es sich um ein Phosphoratom oder um ein Arsenatom handelt, denn beide weisen fast gleiche chemische Eigenschaften auf und können somit die Anforderungen des Lebens erfüllen, wenn die Umwelt die Lebensform dazu nötigt.

Damit kann man fast schon davon ausgehen, dass wir in den Weiten des Alls auf Lebensformen treffen werden, die abhängig von der Art ihrer Umgebung Silizium statt Kohlenstoff oder Selen statt Sauerstoff verwenden.

In was für einer faszinierenden Welt wir doch leben.


Mono Lake in Kalifornien - die Heimat von GFAJ-1

Freitag, 22. Mai 2009

Gentechnologie beim Pflanzenschutz

Viel Halbwissen und Paranoia kreisen um die Gentechnologie. Dass wir mittelfristig keine Wahl haben, wenn es um den Einsatz von Gentechnologie geht, wird in den einseitigen Diskussionen häufig völlig unterschlagen. Denn wie sollen wir künftig zehn Milliarden Menschen ernähren, wenn die bearbeitbare Landbaufläche und die Wasserverfügbarkeit immer mehr zurückgehen? Wie sollen wir die Ernährungssicherheit gewährleisten, wenn der Klimawandel durch immer mehr Dürren und Stürme die Ernten vernichtet?

Unsere einzige Chance ist die gentechnische Optimierung der bisher lediglich durch ineffiziente Züchtungsmethoden veränderten Nutzpflanzen. Denn wo die Zucht blind und nach Versuch und Irrtum vorgeht, kann die Gentechnologie gezielt und ohne grösseren Aufwand das Gleiche in viel kürzerer Zeit und zu niedrigeren Kosten bewerkstelligen.

Denn wir brauchen Nutzpflanzen, welche resistenter gegen Pflanzenparasiten und -krankheiten, gegen extreme Trocken- und Feuchtigkeit, genügsam, pflegeleicht und ernährungstechnisch wertvoll sind. Und genau hier kommt die Gentechnologie ins Spiel.

Eine unbefriedigende Ausgangslage

Bisher spritzen die Bauern tonnenweise giftige Chemikalien auf ihre Pflanzen, um die ständige und fast unaufhaltsame Ausbreitung von Insekten, Unkräutern und Pilzen zu unterdrücken. Dabei arbeiten zwei entscheidende Faktoren gegen den Menschen.

Zum einen bieten die gigantischen Monokulturen - riesige Flächen, auf denen nur eine einzige Pflanzenart wächst - allen Arten von Parasiten ein Paradies, in dem sie sich rasend schnell ausbreiten. Zum anderen passen sich die Parasiten durch ständige Resistenzbildung (Evolution durch Auslese) gegen die eingesetzten Chemikalien an, so dass diese ihre Wirkung verlieren.

Es müssen somit immer schneller immer raffiniertere Chemikalien entwickelt werden, deren langfristige toxikologischen Eigenschaften wir heutzutage nur mühsam abschätzen können. Das Spritzen von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden ist auch noch wesentlich unselektiver und umweltgefährlicher, was weitere Nachteile dieser Art der Parasitenbekämpfung sind.

Der heilige Speer von Antiochien

Doch nun ist es einigen Wissenschaftlern gelungen, eine völlig neue Waffe gegen pflanzenfressende Insekten zu entwickeln. Genauso wie der heilige Speer von Antiochien, mit dem Jesus am Kreuz verletzt wurde, die Kreuzritter zum Ausbruch aus dem von den Muslimen belagerten Antiochien inspirierte, so wird auch dieser neue Ansatz zur Schädlingsbekämpfung unzählige neue Entwicklungen auslösen.

Dabei handelt es sich um sogenannte Bt-Präparate. Bt steht für Bacillus thruringiensis und ist der Name eines Bakteriums, welche auf Pflanzen und im Erdboden lebt. Es ist darauf spezialisiert, Raupen zu befallen und in deren Darm einzudringen. Dort setzt es ein Protein (Bt-Toxin) frei, welches Löcher im Darm der Raupe erzeugt, so dass die Raupe stirbt. Die tote Raupe dient den Bakterien dann als Wachstumsbecken. Dieses Bt-Toxin ist für den Menschen unbedenklich und spezifisch auf den Befall von Insektenraupen ausgerichtet.

Gentechniker haben nun das eine Gen, welches das Bt-Toxin kodiert, aus Bacillus thuringiensis isoliert und es einigen Pflanzenarten eingesetzt. Diese wiesen darauf eine Resistenz gegen Schädlinge auf. Alternativ kann Bacillus thuringiensis auch auf die Felder gesprüht werden.

Gold statt Silber

Die Vorteile dieser neuen Methode liegen auf der Hand. Einerseits ist sie um einiges billiger als die Tonnen von Chemikalien, welche bisher gespritzt werden. Andererseits ist sie viel spezifischer und umweltschonender.

Ähnliche Waffen gegen Unkräuter, Viren und anderen Parasiten sind bereits in der Entwicklung und ermöglichen es, die Nutzpflanzen auf günstigere Art und Weise gegen Schädlinge zu verteidigen. Dies wiederum wird es uns erlauben, auch in Zukunft die Ernährungssicherheit nicht nur zu halten, sondern auch in den Krisenregionen dieser Welt weiter auszubauen.

Dringend nötiger Paradigmenwandel

Genauso wie bei der feministisch verseuchten, einseitigen Geschlechterpolitik brauchen wir auch in der Diskussion um die Gentechnologie einen Paradigmenwechsel. Dies zwingt uns eine nüchterne und pragmatische Betrachtung der Realität auf. Nur wenn wir bereit sind, den Fortschritt zuzulassen, werden wir auch in Zukunft den Wohlstand der Menschheit nicht nur halten, sondern sogar weiter ausbauen können. Doch dies setzt voraus, dass das eitle Klammern an überholten und untauglichen Ansichten aufgegeben und durch eine zukunftsgerichtete und fortschrittsfreundliche Sichtweise ersetzt wird.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, haben der Maskulismus und die Gentechnologie mehr miteinander gemeinsam, als man auf den ersten Blick denken mag.

Dienstag, 21. April 2009

Was Siegfried nicht wissen konnte

Wir alle kennen die Sage um den Ring der Nibelungen, welche vom beinahe unbesiegbaren Siegfried handelt. Im Laufe seines Abenteuers kommt er in den Besitz einer sogenannten Tarnkappe, welche ihn unsichtbar macht. Auch Perseus empfängt von Hermes eine Tarnkappe für den Kampf gegen Medusa. Bei beiden Figuren wird diese als ein Helm mit zwei Flügeln dargestellt.

Überall und nirgends zu gleich

Wenn Legenden wahr werden

Das sind doch alles Mythen, Legenden und Sagen mit Zauber und Magie. Oder?

Nicht ganz. In den letzten paar Jahren haben Wissenschaftler einige Durchbrüche erzielt, welche die sagenumwogenen Geschichten von Unsichtbarkeitsmänteln und Tarnkappen in ein anderes Licht erscheinen lassen. Die dahinter stehende Magie wird heutzutage Schritt für Schritt durch physikalische Erklärungen ersetzt.

Englische Wissenschaftler entwickelten Pläne für ein Gerät das unsichtbar machen soll. Ein Prototyp wurde bereits getestet und konnte im Mikrowellenbereich unsichtbar gemacht werden. Auch US-Forschern gelang dies im mikroskopischen Massstab.

Die Magie weicht der Physik

Dabei verwenden die meisten Wissenschaftler sogenannte Metamaterialien. Diese einzigartigen Bausteine sind Produkte der Nanotechnologie, welche es uns erlaubt, Atome individuell anzuordnen. Dies erlaubt die Konstruktion von Materialien, die eine Struktur aufweisen, welche in der Natur nicht vorkommt. So werden völlig neue Eigenschaften generiert, mit denen die herkömmlichen, natürlichen Materialien nicht mithalten können.

Elektromagnetische Strahlung (mit dem für uns sichtbaren, visuellen Teil), welche auf einen Mantel aus Metamaterialien trifft, wird durch diese hindurch geleitet und auf der anderen Seite nahezu unverändert wieder herausgelassen. So als wäre kein Objekt jemals im Weg gewesen.

Denn wenn Strahlung unverändert ein Objekt passieren kann, dann können wir dieses Objekt nicht wahrnehmen. Zwar verändern auch Metamaterialien die passierende Strahlung noch ein wenig, jedoch bei weitem nicht mehr so stark wie herkömmliche Materialien.

Denn Stealth-Technologie minimiert lediglich die reflektierte Strahlung, indem diese verschluckt wird. Wohingegen Tarntechnologie die Strahlung um das Objekt herumleitet.

Natürlich sind dies alles erst die Anfänge einer funktionierenden und einsatzfähigen Tarntechnologie. Doch schon diese Ansätze sind extrem faszinierend.

Japanischer Unsichtbarkeitsmantel

Naturwissenschaften und Mythologie

Die Sagen um Perseus und Siegfried zeigen uns, dass Männer schon vor tausenden von Jahren von phantastischen Dingen träumten, die wir erst heute Schritt für Schritt real werden lassen können. Welche Wunder werden wir in Zukunft noch entfesseln? Welche unserer grandiosen Gedankenkonstruktionen werden unsere Urenkel als selbstverständlich ansehen?

Siegfried mit seiner Tarnkappe auf dem Haupt

Mittwoch, 1. April 2009

Ein Moment der Klarheit

Es gibt Momemte im Leben, in denen auf einmal unzählige Fragen eine Antwort erhalten. In denen sich der Schleier der Konvulsion lüftet und das Bild klar und makellos vor unseren Augen erscheint. In denen all jene unbequemen Hindernisse sich vor einem auflösen und der Geist zügellos und ohne Behinderung die Komplexität eines Konzeptes durchdringt und meistert.

Diese Momente der Klarheit inspirieren uns und sind ein Ansporn zu völlig neuen Taten und Gedanken, die vorher nicht erschliessbar waren.

Kleine Dinge mit grösster Bedeutung

Genau so einen Moment der Klarheit hatte ich neulich, als ich von der Entdeckung der RNA-Interferenz hörte.

Dabei handelt es sich um einen erst kürzlich entdeckten Mechanismus in den Zellen höherer Lebewesen (Eukaryoten), welche ein zusätzliches "Ein- und Ausschalten" von Genen ermöglicht. Doch warum sollte dieses eine molekularbiologische "Ding" einen faszinierenden Moment der Klarheit erzeugen?!

Wer werden bald sehen, dass dieses "Ding" uns nicht nur eine Zukunft der Medizin in Form von Medikamenten gegen bisher unheilbare Krankheiten wie Krebs oder Aids und Gentherapien eröffnet, sondern gar eine Waffe gegen Viren sein könnte, die ähnliche Vernichtungskraft aufweist wie Antibiotika gegen Bakterien. Dies wiederum ermöglicht weitere bahnbrechende Anwendungen, welche in den nächsten Dekaden erheblich an Bedeutung gewinnen werden.

Es lohnt sich also, sich diesen Sachverhalt etwas genauer anzuschauen.

Die molekulare Maschinerie des Lebens

Wir alle wissen, dass unsere Zellen das Erbgut (auch Genom genannt, besteht aus DNA) enthalten, welche sich aus unzähligen Genen zusammensetzt. Die Gene enthalten dabei die Information, welche über eine komplexe Maschinerie in Proteine "übersetzt" wird. Diese Proteine übernehmen unzählige wichtige Aufgaben in unserem Körper. Sei dies der Transport von Sauerstoff innerhalb der roten Blutkörperchen oder die Immunabwehr.

Als Vermittler zwischen den Genen und den Proteinen dient die sogenannte Messenger RNA (mRNA), welche die "Bauanleitung" in eine für die Proteinmaschinerie verständliche Form enthält und im Zellkern durch RNA Polymerasen gebildet wird.

Die Zellen der Eukaryoten verfügen einerseits über einen Zellkern, welche das Erbgut enthalten und andererseits das Zellplasma (der ganze Rest der Zelle), in dem sich die Proteinmaschinerie in Form der Ribosomen ("Proteinfabriken") befindet. Diese übersetzen genetische Information in Form von mRNA ("Bauanleitungen") in Proteine.

Es ist diese Übertragung von Information von den Genen über die mRNA hin zu den Proteinen, welche das Leben auf molekularer Ebene und somit schlussendlich auch den ganzen Körper entscheidend prägt. Denn es ist der zentrale Mechanismus, mit dem alle lebenswichtigen Funktionen reguliert und unsere genetische Eigenheit ausgedrückt wird.


Viren

Viren befinden sich auf der Grenze zwischen dem Lebendigen und der toten Materie. Sie enthalten keine Proteinmaschinerie, welche es ihnen erlauben würde, sich selber zu unterhalten, sondern lediglich ihr Genom. Sie überleben, indem sie ihr Genom in das Erbgut der Wirtszellen einfügen, so dass diese Zelle dann neue Viren mit der zelleigenen Proteinmaschinerie herstellt.

Es ist somit ein akutes Problem, wenn Viren ihr Genom in die Zelle implantiert haben und diese Virengene nun anfangen, neue Virenbausteine herstellen zu lassen, welche dann zu neuen Viren zusammengestetzt werden. Ohne Unterdrückung würde sich die Krankheit über den ganzen Organismus ausbreiten und ihn vernichten.

Bisher kannte man nur eine einzige wirksame Waffe gegen virale Infektion: die Selbstzerstörung der befallenen Zelle (auch Apoptose genannt).

Die klassische Grippe wird von Viren hervorgerufen. Auch AIDS ist die Folge eines Virus. Unzählige verschiedene Virenarten befallen nicht nur Menschen, so dass zum Beispiel auch in der Landwirtschaft jährlich massive Ernteausfälle durch Pflanzenviren entstehen.

Es gibt bisher keine Medikamente, welche direkt gegen Viren wirken (wie Antibiotika gegen Bakterien). Bisher wird Virenbefall indirekt über fiebersenkende oder bakterienabtötende Mittel (so dass keine zusätzlichen Krankheiten dazu kommen können) behandelt. Gegen einige wenige Arten konnten Impfstoffe entwickelt werden.

Die RNA-Interferenz

Manche Zellen besitzen nun einen speziellen Kontrollmechanismus, welche es ihnen erlaubt "unerwünschte" Gene daran zu hindern, ihre Information über mRNA an die Proteinfabriken, den Ribosomen, zu schicken, so dass potenziell gefährliche Proteine nicht hergestellt werden.

Sobald die Proteine des RNA-Interferenz-Systems die Verarbeitung von fremder mRNA (zum Beispiel durch eingeführte Virengene erzeugt) entdecken, wird diese mRNA nicht nur in kleinste Stücke zerhackt, sondern auch analysiert und die für die Fremd-RNA verantwortlichen Gene identifiziert und zum Schweigen gebracht.

Wir haben es hier also mit einem weiteren Abwehrmechanismus (neben dem Suizid der Zelle) gegen Viren zu tun. Das besondere an dieser Methode ist jedoch, dass das sogenannte "Silencing-Signal", mit dem die RNA-Interferenz gefährliche Gene deaktiviert, zwischen verschiedenen Zellen ausgetauscht werden kann! Dies geht so weit, dass schlussendlich der komplette Organismus gegen das Virus immun wird.

Auswirkungen und Bedeutung

Das Verständnis einer solchen Abwehr in den Zellen ermöglicht es der Medizin, völlig neue Behandlungsmethoden gegen bisher schwierig zu heilende Krankheiten zu entwickeln. Die Fähigkeit, nur ein bestimmtes Gen auszuschalten, erlaubt die Entwicklung von Medikamenten, welche die Wachstumsgene in Krebszellen ausschalten oder die Gene der kritischen Komponente von AIDS-Viren (die sogenannte Reverse Transkriptase) blockieren.

Auch die Aussicht auf das Stilllegen von für bestimmte Erbkrankheiten verantwortliche Gene befähigt die Wissenschaftler dazu, spezifische Gentherapien zu entwerfen, welche gezielt die kritischen Gene und somit das Krankheitsbild hemmen. Der Höhepunkt wäre wohl die Entwicklung von Stoffen, welche spezifisch nur gegen virale DNA wirken und somit ein dringend benötigtes Pendant zu den antibakteriell wirkenden Antibiotika wären.

Aber auch im Design von gentechnisch veränderten Organismen ermöglich die RNA-Interferenz den Einsatz von Nutzfpflanzen, die eine erheblich gesteigerte Widerstandskraft gegen Viren haben. Dies würde die Sicherung der ausreichenden Ernährung der rasch wachsenden Erdbevölkerung erheblich helfen, denn die heutzutage noch gravierenden Verluste durch den Befall von Pflanzenviren könnten bald der Vergangenheit angehören.

Und nicht zuletzt beschleunigt diese neue Entdeckung massiv die Erforschung der Funktionen der einzelnen Gene im menschlichen Körper. Denn bisher wusste man zwar, welche Gene sich wo im menschlichen Genom befinden (siehe Human Genome Project), doch konnte bisher nur wenigen Genen wirklich eine Funktion zuordnen. Kommt noch dazu, dass viele Gene gemeinsam miteinander wechselwirken und so eine nur extrem schwierig zu erforschende Komplexität entsteht. Doch mit der gezielten Ausnutzung der RNA-Interferenz wird dies in Zukunft kein Hindernis mehr sein.

Und dies wird wiederum zu neuen medizinischen Durchbrüchen führen, welche wir bisher noch nicht einmal erahnen können! Geschweige denn von den gewaltigen Möglichkeiten, die uns ein vollständig verstandenes menschliches Genom bieten.

Doch wie jede neue wissenschaftliche Entdeckung wird auch die RNA Interference ihre Zeit brauchen, bis es sich auf breiter Front in Form neuer Medikamente und Behandlungen wird durchsetzen können. Denn noch steht man erst am Anfang.

Ein Moment der Klarheit

Ihr könnt nun verstehen, warum mich diese RNA-Interferenz so fasziniert hat, dass ich für einen Moment lang mit klarem Blick das Bild sehen konnte. Jenes Bild, welches die Zusammenhänge vom molekularen Geschehen bis hinauf zu der Zukunft unserer Gesellschaft vereinigt und den heissen Atem des Fortschritts festhält.

Einen ähnlichen Impakt auf meinen Geist hatten bisher nur wenige Erkenntnisse.

Doch zu ihnen gehören viele, die ich auf der Homepage von Michail Savvakis gesammelt habe, als ich zum ersten Mal maskulistische Texte las. Es fühlte sich damals an, als könnte ich das erste mal nach einer langen Zeit des drohenden Erstickens wieder frei atmen.

Ich hatte von da an das Gefühl, nicht mehr alleine mit meinen Unstimmigkeiten im Bezug auf die Gleichstellung und dem Feminismus zu sein. Und es war auch ein Moment der Klarheit, in dem all jene Übel, welche ich vorher nie zu fassen vermochte, endlich beim Namen nennen und verstehen konnte.

Als ob mir jemand das heiss herbeigesehnte Bild der Wahrheit hinter dem lügenden Vorhang offenbarte.

Montag, 23. Februar 2009

Pragmatismus und Innovation

300 bar, 450 Grad Celsius,
Eisenoxid-Mischkatalysator

Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, was diese chemische Reaktion auf diesem maskulistischen Blog verloren hat. Was haben Stoffumwandlungen denn überhaupt mit den Anliegen der Männerbewegung zu tun?

Nun, auf den ersten Blick nicht viel, doch wenn man die historischen Hintergründe dieser Reaktion kennt, wird deutlich, worauf ich hinaus will. Diese Reaktion ist die dahinter liegende Chemie des
Haber-Bosch-Verfahrens. Das Prinzip ist einfach. Man verwendet atmosphärischen Stickstoff, welcher reichlich vorhanden ist und elementaren Wasserstoff um daraus bei enormen Druck und hohen Temperaturen Ammoniak herzustellen.

Eine kleine Zeile Chemie - und grosse Auswirkungen

Stickstoffsubstanzen wie Ammoniak werden nicht nur für Dünger, sondern auch für die Herstellung von Sprengstoffen und Munition verwendet. Vor diesem Verfahren wurde diese wichtige Ressource aus natürlichen Nitratsalzvorkommen in Südamerika (Guano, Seevogelkacke) gewonnen und nach Europa importiert.

Da das deutsche Kaiserreich damals im ersten Weltkrieg verwickelt war und das Handelsembargo der Entente Deutschland von allen kriegswichtigen Nachschubslieferungen (wie Nitratsalzlieferungen aus Südamerika) abschnitt, sassen die Deutschen ziemlich in der Klemme.

Ohne diese kriegsentscheidenden Lieferungen würde den Armeen bald die Munition ausgehen.

Ohne die essenziellen Nitratsalze könnte die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung infolge des Düngermangels nicht mehr aufrechterhalten werden.


Wenn Chemie Geschichte schreibt

Der Krieg wäre auch spätestens 1915 wieder zu Ende gewesen, wenn nicht die zwei findigen deutschen Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch das Haber-Bosch-Verfahren bis zur grossindustriellen Anwendbarkeit verfeinerten und somit entscheidend in die Geschichte eingriffen.

Durch diesen entscheidenden Durchbruch in der Chemie war es nun möglich, völlig unabhängig von Nitratsalzlieferungen aus Südamerika die Versorgung von Dünger und Sprengstoffen sicherzustellen!

Durch den Erfingergeist und den Pragmatismus beeinflussten einzelne Männer unter extremen Druck und Entbehrung die Geschichte massgeblich. Auch heute noch ist das Haber-Bosch-Verfahren für die Ammoniakversorgung eines Landes eines der zentralen chemischen Verfahren der Moderne, welche Europa entwickelt hat.

Die Bedeutung dieses genialen Verfahrens wurde durch die Nobelpreisvergabe an beide Chemiker
unterstrichen.

Hintergründige Betrachtungen

Welche Erkenntnisse können wir aus diesem kleinen historisch-naturwissenschaftlichen Exkurs gewinnen?

Naturwissenschaften bestimmen die Rahmensmöglichkeiten der Geschichte, Gesellschaft und Kultur:

Im Gegensatz zum weit verbreiteten (geisteswissenschaftlichen) Irrglauben, tragen die Naturwissenschaften sehr wohl zur Entwicklung von Geschichte, Gesellschaft und Kultur bei und sind somit ein zentraler und gewichtiger Bestandteil jeder Bildung. Meinungen wie jene von Dietrich Schwanitz ("Naturwissenschaften gehören nicht zur Bildung"; "Bildung, Alles was man wissen muss" S. 618 15. Auflage 2002) sind schwachsinnig und verdecken lediglich mehr schlecht als recht den eigenen begrenzten Wissenshorizont und die penetrante Bildungsverweigerung.

Denn man kann gesellschaftliche, kulturelle und historische Wandlungen nicht ohne die zum jeweils aktuellen Zeitpunkt erfolgten naturwissenschaftlichen und technologischen Innovationen verstehen. Schockierendes Beispiel hierfür ist die Atombombe, welche ein ganzes Zeitalter namens Kalter Krieg prägte. Ein Technologie, welche jede Gesellschaft auf diesem Planeten tief prägt(e).

Für die pazifistischeren Naturen sei auf ein friedfertigere Beispiele wie der Computer oder das Internet verwiesen.

Die Grenzen und Eigenheiten, Vorteile und Nachteile von Technologien bestimmen deren Wirkung und Einfluss auf die Welt. Doch um diese Parameter einschätzen zu können, ist ein grundlegendes Verständnis der naturwissenchaftlichen Mechanismen dahinter notwendig.

Wer mehr über neue Technologien und Innovationen lesen möchte, dem kann ich diesen Blog empfehlen.

Ja ... und was hat das jetzt mit der Männerbewegung zu tun?!

Auch wir stehen heute unter starkem Druck. Auch wir sind von gewissen Möglichkeiten in dieser Gesellschaft abgeschnitten. Zum Beispiel eine Ehe ohne Rechtsasymmetrien zwischen den Geschlechtern. Oder ein Leben ohne Zwangsdienste. Oder eine Gesellschaft ohne Misandrie und Männerdiskriminierung.

Wir stehen unter grossem Zugzwang, auf diese völlig neue Situation zu reagieren. Niemand hat uns darauf vorbereitet. Niemand hat uns gesagt, wie wir mit einer Diktatur der Schwachen umgehen sollen. Wer hätte es auch gekonnt?

Es ist deshalb mehr denn je wichtig, innovativ und pragmatisch zu handeln, um die Interessen der Männer auch im 21. Jahrhundert gegen radikalfeministische Wahnvorstellungen und staatsfeministischen Eingriffen zu verteidigen.

Glänzendes Beispiel für solches Handeln ist die ausgeprägte Nutzung des Internets und der neuen Medien durch die Männerbewegung. Ohne das Internet gäbe es keine Männerbewegung! Ohne die Möglichkeit uns anonym und ohne eigenes Risiko zu vernetzen, wäre die Männerbewegung kaum mehr als ein paar versprengte Individualisten.

Es gilt deshalb mehr denn je, neue Strategien und Taktiken zu entwickeln, um aktuelle und künftige Entwicklungen in allen Bereichen für unsere Absichten zu nutzen. Denn nur wer mit dem rasenden Fortschritt mithalten kann, hat Zugriff auf die Zukunft und kann die Gesellschaft entscheidend prägen!

Wer den Fortschritt kontrolliert, beherrscht die Zukunft