Sonntag, 3. Januar 2010

Kindheitserinnerung

Als ich klein war, sah ich einen Cartoon über eine Wolfsjungen und einem Wolfsmädchen, welche sprachen und auch sonst viele menschliche Eigenschaften aufwiesen - freilich verharmlost und verniedlicht. Kindsgerecht eben. Doch die Botschaft welche dieser Comic transportierte, würde mir erst viel später so richtig klar werden.

Es begann damit, dass der Junge dem Mädchen hinterher rennt und offensichtlich sehr interessiert an ihr ist. Da er sich dabei jedoch wie der grösste Tollpatsch anstellt, eine Kastratenstimme aufweist und auch sonst eher eine Flasche zu sein scheint, lässt sie ihn gnadenlos durchfallen, denn er war eine peinliche und lächerliche Gestalt. Doch ihre Einstellung zu ihm ändert sich radikal, als plötzlich der Vollmond am nächtlichen Himmel erstrahlt und der bisher erfolglose Wolfsjunge sich in einen grossen Werwolf verwandelte.

Diese Transformation schwebt mir nach all den Jahren immer noch vor meinem inneren Auge, als wäre es gestern gewesen. Dort wo vorher dünne Gliedmassen gewesen waren, strotzten nun die Muskelberge und die schwache, zarte Brust war dem massalen Oberkörper eines Herkules gewichen. Auch der peinliche Haarpflaum von vorher wich einer dunklen, löwenartigen Mähne, welche über Gesicht und Schulter fiel und auch sein Körperwuchs hatte sich verdoppelt. Seine tiefe Bassstimme durchdrang den nächtlichen Wald und seine Präsenz war furchteinflössend. Auch seine Ausdruck war ruhiger und reifer geworden.

Als das Wolfsmädchen ihn nun erblickte, wurde sie sofort spitz und änderte ihre Einstellung ihm gegenüber grundlegend. Doch als die intensive Nacht vorbei war, verwandelte sich der Werwolf wieder zurück und übrig blieb nur der gewöhnliche Junge.

Meine Erinnerung hört damit auf, dass sich das Wolfsmädchen auf einen sich in der Nähe befindlichen Stein setzt und sagt, für so einen Mann würde sie ruhig bis zum nächsten Vollmond hier warten.

Dieser Comic verstörte mich ziemlich. Weniger, weil den Kindern schon frühzeitig vorgeführt wird, wie Frauen mit ungenügenden Männerexemplaren umgehen und wie sie sich nur mit dem Besten zufrieden geben, sondern dass ein Junge sich erst auf magische Art und Weise in etwas Übernatürliches verwandeln muss, um überhaupt sexuell wahrgenommen zu werden. Während das Mädchen in der ganzen Geschichte keine Entwicklung, keine Verbesserung ihrer Merkmale aufweist, muss der Junge sein Ich aufgeben und seinen Körper gegen einen anderen "tauschen" um auf die Liste zu kommen.

Damals verstand ich meine Mühe mit dieser Geschichte nicht, doch heute sticht mir die klare Botschaft ins Auge. Wer es als Mann nicht schafft dem gewünschten Ideal zumindest nahe zu kommen, der kann es glatt vergessen, bei den gutaussehenden Frauen zu landen. Der soll sich entweder mit der weiblichen Ausschussware zufrieden geben oder alleine bleiben.

Man belächelt Kinderprogramme im Fernsehen regelmässig und übersieht dabei, wie so manche gnadenlose Wahrheit hier unentdeckt in die Köpfe der zuschauenden Kinder transportiert wird.

Kommentare:

Galloway hat gesagt…

Ja grausam diese Welt aber dem sind die Frauen genauso ausgesetzt. Ist schon interessant wie unsere Kultur den Männern in Beziehungsdingen immer die schwächere Rolle zubilligt. Die einzige, kulturell etablierte Alternative scheint der Casanova/Player/Don Juan/PUA-Typus zu sein der halt über Frauen Macht hat weil er sie gegeneinander ausspielt, sich rar macht usw. Die Spielchen kennen wir eh...

Und scheinbar gehts jetzt nach einem gescheiterten Feminismus wieder in die Richtung starker Mann und verstärkte, soziale Selektion. Eigentlich war ja der starke, begehrte und ressourcenreiche Mann immer gefragt. Der Feminismus hat diese Bild jedoch angreifen müssen da viele Feministinnen begriffen haben das dieser starke Mann sie nicht braucht und daher haben sie sich gedacht spielen wir diese Spiel mit "unfairen" Mittel bzw. rächen wir uns für die Ablehnung. ^^ Die Ironie!!! Wir Menschen sind und bleiben Affen.

Anonym hat gesagt…

Dieser Artikel ist meiner Meinung nach ausnahmsweise nicht sehr gelungen.

Ohne die Umerziehungsmaßnahmen, denen Jungen heute dank genderbewussten Erzieherinnen und Lehrerinnen heute unterworfen sind, zu vergessen, sollte man nicht übersehen, dass den Mädchen immer noch medial vermittelt wird, dass sie schön, schlank, und "brav" zu sein haben. Ein Beispiel hierfür ist "Prinzessin Lilifee", der Königin moderner Mädchenzimmer.

Auch halte ich die Kritik an dem beschriebenen Cartoon für unbegründet.
Jungen, und später Männer, haben sich in unserer Geschichte immer auch körperlich durchsetzen müssen.

Und männliche Muskeln sind meiner Erfahrung nach auch heute noch für Frauen attraktiv. Unabhängig davon, ob der Mann sie wirklich in seinem Alltag benötigt.

Weshalb einem Jungen dies nicht über Cartoons, Märchen oder Geschichten nicht indirekt vermittelt werden soll, leuchtet mir nicht ganz ein. Solche und ähnliche Geschichten sind wohl deutlich besser geeignet, einem Jungen die Realität beizubringen, als irgendwelche blödsinnigen Kinoschnulzen es könnten.

Anonym hat gesagt…

ich weiss nicht was Du hast, es ist völlig normal das Jungs sich zum Mann entwickeln müssen, damit sie sich fortpflanzen können.

Wie sonst? Sollen kleine unreife Bubis Frauen schwängern und dann... was? An der Last zusammenbrechen?

Frauen müssen sich in dem Sinne nicht entwickeln und "beweisen" das sie Weiblich genug sind dafür. Es reicht wenn sie körperlich fruchtbar sind.

Die Reifung des Mädchens zur Frau geschieht dann während der Schwangerschaft. Daher auch die Unterscheidung zwischen Fräulein und Frau. :D

/ajk

Anonym hat gesagt…

Dieser Artikel spricht mir aus dem Herz!

Genau durch solche Quellen werden Selbstbilder geprägt welche später nur sehr schwer zu überwinden sind. Das System rationell zu durchschauen und überwinden ist dagegen geradezu einfach und schnell. Aber all die tief vergrabenen Jugenderinnerungen... nicht nur dass die besser versteckt sind, nein das schmerzt auch und hinterlässt traurige Lücken die loswerden zu müssen.

schatten_rabe hat gesagt…

Dein Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Dieser teil alter rollenklisches wurde und wird Eigentümlicher Weise nicht abgelehnt. Ich hatte in meiner Nachbarschaft selber einen jungen mann, der Versucht hat mit Medikamenten seine Muskelmasse aufzubauen - der Frauen wegen. Überlebt hat er es nicht.

Anonym hat gesagt…

Man macht das ja auch nicht mit Medikamenten.. Sondern mit Arbeit, Fleiss und so weiter..

Habt ihr schon so schnell vergessen was die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind?

Selbstverständlich muss ein Mann sich aufbauen. Das sind keine Rollenklischees sondern ganz normale Sexualität und Evolutionäre Auslese.

/ajk