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Sonntag, 13. Juni 2010

Den Feminismus begünstigende historische Entwicklungen

Die entscheidende Schwachstelle des Feminismus ist seine Legitimität. Diese Achillesferse wurde zwar in der Gegenwart schon häufiger getroffen und ausgiebig von Männerrechtlern und Maskulisten betont. Doch wie sieht es mit der historischen Legitimität des Feminismus aus?

Ist es wirklich der Feminismus, der für die Befreiung der Frau hauptverantwortlich ist? War es wirklich nur der Kampf der Feministinnen, welche der Frau Freiheit ermöglicht hat?

Wir werden im Kommenden sehen, dass viele feministisch okkupierte Errungenschaften nicht primär dem Feminismus zugesprochen werden können, sondern vor allem profunden sozialen Umwälzungen in den letzten 300 Jahren.

Das Prinzip sozialer Veränderung

Eine politische Forderung kann tausend Mal von hunderttausenden von Menschen formuliert werden, doch sie wird nicht erfüllt. Andere Ansprüche auf Veränderung müssen nur von einigen dutzend Menschen ausgesprochen werden und ihnen wird statt gegeben.

Dies mag dem äusseren Anschein nach primär an der Macht der agierenden Individuen liegen, doch der Hauptgrund liegt darin, inwiefern es sich eine Gesellschaft oder ein System als Ganzes leisten kann, bestimmten Änderungsvorschlägen nachzukommen ohne an Stabilität zu verlieren. Und auch die grösste individuelle Macht bewegt sich innerhalb der Grenzen, welche die kulturellen und technischen Sachzwänge einer Gesellschaft aufzwingen.

Dazu zwei Beispiele.

In Anbetracht der niedrigen durchschnittlichen Lebenserwartung, der hohen Kindersterblichkeit, der schlechten medizinischen und ernährungstechnischen Versorgung im Mittelalter war es unsinnig, Männer und Frauen zuerst zwölf Jahre schulisch auszubilden um sie anschliessend noch studieren und dann ein bisschen feiern zu lassen. Die mittelalterliche Gesellschaft konnte es sich somit nicht leisten, Männer und Frauen besser auszubilden und musste sie in einem Korsett religiöser Vorschriften festhalten, wollte sie überleben.

Gegen das totalitäre Regime der DDR haben über Jahrzehnte unzählige Menschen protestiert und demonstriert. Doch den Forderungen nach Demokratie nachzukommen, hätte den sicheren Untergang der sozialistischen Blutherrschaft bedeutet und somit setzte man alles daran, diese Forderung zu unterdrücken. Offensichtlich konnte es sich die DDR nicht leisten, diese Forderung zu erfüllen, ohne unterzugehen.

Sachlich betrachtet bedeutet dies für jede Art von sozialer Veränderung, dass die Forderung nach Veränderung an sich nicht unbedingt die Veränderung auslöst und durchführt, sondern die sich ändernden Sachzwänge und Umstände, die sich die Gesellschaft ausgesetzt sieht.

Erst als die Kindersterblichkeit gesunken und die Lebenserwartung gestiegen war, wurde eine längere obligatorische Schulbildung und ein Studium für grössere Menschenmassen für eine Gesellschaft erträglich.

Erst als die Sowjetunion als Ganzes endlich an ihrer wirtschaftlichen Irrationalität zerbrach, konnte der Forderung nach Demokratie in der DDR nachgegeben werden.

Beide Beispiele haben gemeinsam, dass eine politische Forderung losgelöst von der eigentlichen Erfüllung über Jahrzehnte existieren kann, ohne wirklich der entscheidende Auslöser sein zu müssen. Vielmehr sind es soziale Umwälzungen und Fortschritte, welche politische Forderungen begünstigen oder erschweren können.

Die Befreiung der Frau - und der Feminismus

Dieses Prinzip der sozialen Veränderung ist der Albtraum für jeden linken Revolutionär und das Hauptinstrument, mit dem wir die neuere Geschichte des Abendlandes und die Rolle des Feminismus darin neu betrachten müssen.

Feministische Forderungen sind relativ alt. Gleichzeitig war das Verlangen nach Befreiung der Frau von ihrer traditionellen Rolle nicht nur schon länger präsent, sondern wurde auch schon vor dem Auftreten des politischen Feminismus von Philosophen geäussert.

Doch wenn die Forderungen schon seit Jahrhunderten existierten, warum wurden sie dann erst im 20. Jahrhundert grossmehrheitlich umgesetzt?

Im Wesentlichen wurde die Befreiung der Frau durch drei grosse Umwälzungen vorangetrieben. Anschliessend wurden die Resultate dieser Entwicklungen feministisch besetzt und als hart erkämpfte Siege deklariert.

Soziale Umwälzungen und ihre Folgen

Den grössten Einfluss kann man folgenden Entwicklungen zuschreiben.

- Entwicklung einer fortgeschrittenen industriellen Wirtschaft:

Die Ansprüche einer industriellen Wirtschaft konnten nicht nur durch den Bau von Fabriken und der Massierung von Bevölkerung in Städten gedeckt werden. Unzählige neue Berufsgattungen wurden geschaffen, um den gesteigertern Verwaltungsaufwand zu befriedigen. Schreiberinnen, Sekretärinnen, Telefonvermittlerinnen, Fabrikarbeiterinnen, Lagerverwalterinnen und Lehrerinnen sind nur einige Beispiele für Berufe, die vorallem von Frauen ausgeübt wurden. Dies weitete sich während dem europäischen Bürgerkrieg noch weiter aus, als zu wenig Männer für die Fabrikarbeit zur Verfügung standen und Frauen deren Werktätigkeit übernehmen mussten. Bis vor kurzem hatten diese Berufe noch gar nicht in der Form und in diesem Ausmass existiert.

Dies führte natürlich auch dazu, dass Frauen mehr und besser ausgebildet werden mussten, um den Bedarf der Industrie nach qualifizierten Arbeiterinnen zu decken.

Dies brachte Frauen ein eigenes Einkommen. Dies bedeutete schon um 1900, dass wesentlich mehr Frauen unabhängiger von ihren Eltern und von Männern waren, als noch ein Jahrhundert zuvor. Dies erlaubte ihnen, die Ehe hinauszuzögern und aus der Tradition auszubrechen.

- Verhütungsmittel:

Was für uns heute als trivial erscheint, war im Verlaufe des 20. Jahrhunderts ein entscheidender Eingriff in das Leben unzähliger Frauen, die nun erstmals sexuelle Befriedigung ohne Angst vor Schwangerschaft und lebenslanger Ehe erleben konnten. Dies gab ihnen wesentlich mehr Kontrolle über ihr Leben und somit mehr Selbstbewusstsein.

- Technologische Fortschritte:

Viele Erfindungen erleichterten das Leben der Frauen erheblich und gaben ihnen mehr Zeit für politische Aktivität. Der Aufwand für den Haushalt wurde reduziert durch gepumptes Wasser, Gas fürs Kochen und Beleuchtung, später dann durch Elektrizität. Importierte Nahrung, besser prozessierte und haltbarere Lebensmittel reduzierten Kochzeiten. Bessere Waschmittel und leichter zu reinigende synthetische Fasern waren genauso segenreich wie Gaskocher, Vakuumstaubsauger und Waschmaschinen.

Dies erlöste die Frauen v0n der aufwendigen, mittelalterlichen Haushaltsarbeit und gab ihnen zusätzlich Freiheit.

Ein eigenes Einkommen, mehr körperliche Kontrolle über ihr eigenes Leben und mehr freie Zeit legten die Grundlagen für die wirtschaftliche und politische Integration der Frauen in die Gesellschaft.

Konsequenzen

Die Befreiung der Frau verlief wesentlich nüchterner und pragmatischer ab, als es viele Gutmenschen und Feministinnen heutzutage dramatisch inszenieren. Eine Personengruppe, die bisher aufgrund von körperlichen Zwängen und äusseren Umständen nicht im gleichen Ausmass wie Männer an der Gesellschaft partizipieren konnte, wurde erst durch den Fortschritt von ihren Fesseln erlöst.

Als erst die Grundlagen gelegt worden waren, konnten die alten Forderungen mit Hilfe der Männer umgesetzt werden. Dass sie nicht früher angegangen worden waren, lag nicht daran, dass ein ominöses "Patriarchat" die Frauen gefangen hielt, sondern dass die Umstände noch zu ungünstig waren.

Auf diesem Fundament konnte die Gleichberechtigung starten, die noch bis heute nicht vollständig und beide Geschlechter umfassend umgesetzt wurde. Weder waren Feministinnen die ersten und einzigen, welche die Befreiung der Frau forderten, noch waren sie die primären Auslöser für die gesellschaftliche Umwandlung.

Im Gegenteil. Sie kaperten den Prozess der fortschreitenden Gleichberechtigung und liessen ihn fortan einseitig nur noch zum Vorteil von Frauen und zum Nachteil der Männer laufen (darum heisst es heute auch Gleichstellung).

Es ist ungewöhnlich, wie viel später nach diesen entscheidenden Umwandlungen erst der institutionalisierte Feminismus in Hochschulen, Politik und Sozialeinrichtungen sich anschickte, sein Gift zu verbreiten.

Fazit

In Anbetracht der zweifelhaften historischen Legitimität des Feminismus kann man beruhigt sagen, dass männliche Leistungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik mehr für die Liberalisierung der Frauen getan haben, als die Feministinnen je tun könnten.

Für unsere Sache kann man aus diesen Entwicklungen konkludieren, dass die Forderung nach Abschaffung der Wehrpflicht an sich nicht den Erfolg bringen wird, sondern erst eine Veränderung der gesellschaftlichen Sachzwänge, zum Beispiel Sparzwänge - wie es im Moment in Deutschland diskutiert wird - wird dies ermöglichen.

Dennoch ist Widerstand nötig, um bei veränderter Sachlage die Relevanz der politischen Forderung zu unterstreichen und schlussendlich die Umsetzung zu unterstützen.


Die richtige Forderung benötigt die richtigen Umstände

Montag, 23. Februar 2009

Pragmatismus und Innovation

300 bar, 450 Grad Celsius,
Eisenoxid-Mischkatalysator

Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, was diese chemische Reaktion auf diesem maskulistischen Blog verloren hat. Was haben Stoffumwandlungen denn überhaupt mit den Anliegen der Männerbewegung zu tun?

Nun, auf den ersten Blick nicht viel, doch wenn man die historischen Hintergründe dieser Reaktion kennt, wird deutlich, worauf ich hinaus will. Diese Reaktion ist die dahinter liegende Chemie des
Haber-Bosch-Verfahrens. Das Prinzip ist einfach. Man verwendet atmosphärischen Stickstoff, welcher reichlich vorhanden ist und elementaren Wasserstoff um daraus bei enormen Druck und hohen Temperaturen Ammoniak herzustellen.

Eine kleine Zeile Chemie - und grosse Auswirkungen

Stickstoffsubstanzen wie Ammoniak werden nicht nur für Dünger, sondern auch für die Herstellung von Sprengstoffen und Munition verwendet. Vor diesem Verfahren wurde diese wichtige Ressource aus natürlichen Nitratsalzvorkommen in Südamerika (Guano, Seevogelkacke) gewonnen und nach Europa importiert.

Da das deutsche Kaiserreich damals im ersten Weltkrieg verwickelt war und das Handelsembargo der Entente Deutschland von allen kriegswichtigen Nachschubslieferungen (wie Nitratsalzlieferungen aus Südamerika) abschnitt, sassen die Deutschen ziemlich in der Klemme.

Ohne diese kriegsentscheidenden Lieferungen würde den Armeen bald die Munition ausgehen.

Ohne die essenziellen Nitratsalze könnte die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung infolge des Düngermangels nicht mehr aufrechterhalten werden.


Wenn Chemie Geschichte schreibt

Der Krieg wäre auch spätestens 1915 wieder zu Ende gewesen, wenn nicht die zwei findigen deutschen Chemiker Fritz Haber und Carl Bosch das Haber-Bosch-Verfahren bis zur grossindustriellen Anwendbarkeit verfeinerten und somit entscheidend in die Geschichte eingriffen.

Durch diesen entscheidenden Durchbruch in der Chemie war es nun möglich, völlig unabhängig von Nitratsalzlieferungen aus Südamerika die Versorgung von Dünger und Sprengstoffen sicherzustellen!

Durch den Erfingergeist und den Pragmatismus beeinflussten einzelne Männer unter extremen Druck und Entbehrung die Geschichte massgeblich. Auch heute noch ist das Haber-Bosch-Verfahren für die Ammoniakversorgung eines Landes eines der zentralen chemischen Verfahren der Moderne, welche Europa entwickelt hat.

Die Bedeutung dieses genialen Verfahrens wurde durch die Nobelpreisvergabe an beide Chemiker
unterstrichen.

Hintergründige Betrachtungen

Welche Erkenntnisse können wir aus diesem kleinen historisch-naturwissenschaftlichen Exkurs gewinnen?

Naturwissenschaften bestimmen die Rahmensmöglichkeiten der Geschichte, Gesellschaft und Kultur:

Im Gegensatz zum weit verbreiteten (geisteswissenschaftlichen) Irrglauben, tragen die Naturwissenschaften sehr wohl zur Entwicklung von Geschichte, Gesellschaft und Kultur bei und sind somit ein zentraler und gewichtiger Bestandteil jeder Bildung. Meinungen wie jene von Dietrich Schwanitz ("Naturwissenschaften gehören nicht zur Bildung"; "Bildung, Alles was man wissen muss" S. 618 15. Auflage 2002) sind schwachsinnig und verdecken lediglich mehr schlecht als recht den eigenen begrenzten Wissenshorizont und die penetrante Bildungsverweigerung.

Denn man kann gesellschaftliche, kulturelle und historische Wandlungen nicht ohne die zum jeweils aktuellen Zeitpunkt erfolgten naturwissenschaftlichen und technologischen Innovationen verstehen. Schockierendes Beispiel hierfür ist die Atombombe, welche ein ganzes Zeitalter namens Kalter Krieg prägte. Ein Technologie, welche jede Gesellschaft auf diesem Planeten tief prägt(e).

Für die pazifistischeren Naturen sei auf ein friedfertigere Beispiele wie der Computer oder das Internet verwiesen.

Die Grenzen und Eigenheiten, Vorteile und Nachteile von Technologien bestimmen deren Wirkung und Einfluss auf die Welt. Doch um diese Parameter einschätzen zu können, ist ein grundlegendes Verständnis der naturwissenchaftlichen Mechanismen dahinter notwendig.

Wer mehr über neue Technologien und Innovationen lesen möchte, dem kann ich diesen Blog empfehlen.

Ja ... und was hat das jetzt mit der Männerbewegung zu tun?!

Auch wir stehen heute unter starkem Druck. Auch wir sind von gewissen Möglichkeiten in dieser Gesellschaft abgeschnitten. Zum Beispiel eine Ehe ohne Rechtsasymmetrien zwischen den Geschlechtern. Oder ein Leben ohne Zwangsdienste. Oder eine Gesellschaft ohne Misandrie und Männerdiskriminierung.

Wir stehen unter grossem Zugzwang, auf diese völlig neue Situation zu reagieren. Niemand hat uns darauf vorbereitet. Niemand hat uns gesagt, wie wir mit einer Diktatur der Schwachen umgehen sollen. Wer hätte es auch gekonnt?

Es ist deshalb mehr denn je wichtig, innovativ und pragmatisch zu handeln, um die Interessen der Männer auch im 21. Jahrhundert gegen radikalfeministische Wahnvorstellungen und staatsfeministischen Eingriffen zu verteidigen.

Glänzendes Beispiel für solches Handeln ist die ausgeprägte Nutzung des Internets und der neuen Medien durch die Männerbewegung. Ohne das Internet gäbe es keine Männerbewegung! Ohne die Möglichkeit uns anonym und ohne eigenes Risiko zu vernetzen, wäre die Männerbewegung kaum mehr als ein paar versprengte Individualisten.

Es gilt deshalb mehr denn je, neue Strategien und Taktiken zu entwickeln, um aktuelle und künftige Entwicklungen in allen Bereichen für unsere Absichten zu nutzen. Denn nur wer mit dem rasenden Fortschritt mithalten kann, hat Zugriff auf die Zukunft und kann die Gesellschaft entscheidend prägen!

Wer den Fortschritt kontrolliert, beherrscht die Zukunft

Donnerstag, 6. November 2008

Eine Anekdote aus dem "Patriarchat"

Als ich "Das Patriarchat - Wahrheit oder Mythos?" schrieb, erinnerte ich mich halbdunkel an einen Fetzen mittelalterlicher Geschichte, deren Inhalt ziemlich deutlich zeigt, wie machtvoll manche Frauen schon damals waren und wie sehr Männer darunter zu leiden hatten. Eine Konstellation, die jede feministische Theorie über die Frau als ewiges Opfer und den Mann als ewigen Täter in ihre Einzelteile zusammenbrechen lässt.

Die nun folgende Erzählung habe ich aus Geschichte der Kreuzzüge [1] extrahiert und soll euch exemplarisch zeigen, wie schon damals das Leben und das Schicksal eines Mannes auf Gedeih und Verderb von (s)einer Frau abhängen konnte.

Wir befinden uns im tiefsten Mittelalter, ganz am Anfang eines neuen Zeitalters des kulturellen Austausches aber auch der ersten schweren Glaubenskriege zwischen dem Christentum und dem Islam. Es ist das Jahr 1095 nach Christus in dem Papst Urban II. zum ersten Kreuzzug aufrief um das heilige Land von den muslimischen Besatzern zu befreien. Hundertausende von Menschen folgten daraufhin seinem Ruf und liessen ihr bisheriges Leben hinter sich, um sich auf die beschwerliche Reise in das ferne Outremer zu machen. Zahllose gewöhnliche Bauern mit ihren Familien aber auch Adelige mit ihren Heeren schlossen sich diesem immer mächtiger werdenden Menschenstrom an.

Sie liessen eine Welt voller Elend, Armut und Hunger zurück und waren mehr als nur bereit, die grauenhaften Lebensbedingungen im damaligen Europa zu verlassen, um im heiligen Land eine neue Existenz aufzubauen. Nicht wenige zweit- und drittgeborene adelige Söhne träumten von ihrem eigenen Fürstentum oder dem schnellen Aufstieg an die Macht, denn nach dem damaligen Erbrecht gingen sie fast immer leer aus.

Unter ihnen befand sich auch der Graf Stephan von Blois, der sich dem Kreuzzug nur sehr widerwillig angeschlossen hatte. Er hegte keinen Wunsch sich ihm anzuschliessen [2], doch er hatte Wilhelms des Eroberes Tochter Adele geheiratet und sie traff im Haushalt die Entscheidungen. Und ihre Entscheidung war es, dass ihr Graf Stephan von Blois sich dem Kreuzzug anschliessen soll. Nicht dass die verwöhnte Frau ihn begleiten würde, wie es so manch andere Adelsfrau tat. Denn Stephan beliess seine Länder in der Verwaltung seiner Gemahlin Adele [2].

Damit die Ausgangslage klar ist: Die Frau zwingt den Mann sich einer Reise anzuschliessen, die ihn über 4000 Kilometer (!) zu Fuss und zu Pferd und nur beim Bosporus mit dem Schiff in ein kaum bekanntes, andersgläubiges Gebiet voller Gefahren führen würde. Auf einem Weg, gespickt mit unzähligen Wegelagerern, Banditen und Habenichtsen, der kaum befestigt und nur zu gewissen Jahreszeiten mehr schlecht als recht passierbar ist. Um dort schliesslich eine der zur damaligen Zeit am schwersten befestigten Stadt namens Jerusalem zu belagern und von den Moslems zurück zu erobern.

Im Jahre 1097 erreichten die Kreuzfahrerheere Antiochia (in der heutigen Türkei, damals Syrien), eine damals sehr bedeutende Stadt am Meereseck zwischen der Türkei und dem heutigen Israel. Dort sollten einige der schwersten und entbehrungsreichsten Gefechte des ersten Kreuzzuges stattfinden, welche die Moral aller Beteiligten massiv herabsetzte und viele in die Fahnenflucht trieb. Schon bis hierher hatte der Kreuzzug mehr als die Hälfte seiner Mannstärke verloren und es blieb ihm nur noch ein Kern fanatischer, hartgesottener und kriegserfahrener Männer. Auch Stephan von Blois befand sich noch unter ihnen.

Doch die entsetzlichen Entbehrungen und die Erwartung eines scheinbar sicheren Gemetzels unter den Truppen der Christen durch den Feind brachen seine Zuversicht, so dass er sich entschloss, sich dem sicheren Untergang zu entziehen und nach Hause zurück zu kehren [3].

Doch die Kunde seiner "Feigheit" verbreitete sich schnell durch ganz Europa, so dass seine Gattin Adele ihn zornbebend zu Hause erwartete und in tiefer Scham nicht eher ruhte, bis sie ihn soweit drangsaliert hatte, dass er die ganzen weiten Weg erneut unter die Füsse nahm [4]!

Ihr müsst euch das mal vorstellen! Ihr habt nahezu Jerusalem erreicht und so dermassen viele Greuel und Elend gesehen, dass ihr euch vor dem sicheren Tod versucht abzusetzen und es gelingt euch tatsächlich, nach Hause zu kommen. Doch statt dankbar und froh zu sein, dass ihr noch am Leben seid, ist eure Frau so wütend, dass sie euch umgehend erneut zurück in die Hölle des Krieges schickt! Denn schliesslich habe die Familie einen Ruf zu verlieren! Die Frau sitzt einfach zu Hause wie die Made im Speck und befiehlt ihren Mann, sich erneut in Lebensgefahr zu begeben!

Gebrochen und unwillig, sich dem geballten Ärger einer gesamten Adelssippe auszusetzen, machte sich Stephan von Blois verzweifelt erneut auf den Weg in Richtung des heiligen Landes [5]. Geplagt von düsteren Ahnungen von seinem eigenen Tod.

Nachdem Jerusalem in verlustreichen Kämpfen und durch ein blutiges Gemetzel im Jahre 1099 nach Christus erobert wurde, hatte Stephan von Blois das heilige Land erreicht und schloss sich dort den Truppen des jungen Königtums von Jerusalem an. Doch in der Schlacht von Ramleh würden sich seine Vorahnungen erfüllen und er starb bei einem Ausbruch aus einer von den Ägyptern belagerten Festung [6].

Sein ruhmreicher Tod stellte seinen zuvor ramponierten Ruf wiederher und die Gräfin Adele konnte fortan ruhig schlafen, wohlwissend, dass die Familienschande nun endlich aus der Welt geschafft war [6].

Stephan starb, weil eine Frau ihn zurück und somit in den Tod trieb um ein immaterielles Gut, nämlich den Ruf ihrer Familie, nicht zu beschädigen. Das Leben eines Mannes war dabei weniger wichtig als jenes Gut.

Wer kann da noch behaupten, dass Frauen damals keine Macht gehabt hätten?


[1] Geschichte der Kreuzzüge von Steven Runciman, 5. Auflage 2006 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.
[2] Geschichte der Kreuzzüge S. 159
[3] Geschichte der Kreuzzüge S. 221
[4] Geschichte der Kreuzzüge S. 229
[5] Geschichte der Kreuzzüge S. 334
[6] Geschichte der Kreuzzüge S. 388

Montag, 8. September 2008

Am Fusse des Berges

Wenn man heutzutage mit einer beliebigen Person auf der Strasse über Rechte für Männer oder generell über die Diskriminierung des Mannes spricht, so erntet man entweder ein nervöses Lächeln und ein Achselzucken oder einen abwehrenden, missgünstigen Blick gepaart mit einem betretenem Schweigen.

Dabei fing das neue Europa doch so gut an! Mehr Wohlstand und Rechte für alle Schichten der Gesellschaft und auch für jene Opfergruppen und Minderheiten, die früher mehr oder weniger von einem gewöhnlichen, öffentlichen Leben ausgeschlossen waren. Wie viele Personenkreise wurden in den letzten Jahrzehnten befreit, berücksichtigt, gefördert, geschützt, kurzum: mit neuen Rechten und Privilegien ausgestattet? Unzählige!

Doch symptomatisch für alle diese gesellschaftlichen Liberalisierungen war eines: Der gewöhnliche Mann war nie im Blickfeld irgendeiner dieser Freiheitsbewegungen. Immer noch stemmt er einen Grossteil des Bruttosozialproduktes eines beliebigen Landes auf diesem Globus. Immer noch ist er es, der für die Mächtigen in den Krieg ziehen muss. Immer noch muss vor allem er in unterbezahlten, gefährlichen und unbeliebten Berufsfeldern die Drecksarbeit erledigen. Noch immer muss der Mann den Kopf hinhalten, wenn die Lage ernst wird.

Für ihn hat sich in den letzten sechzig Jahren nichts geändert. Sein Leben ist nach wie vor mehr von Arbeit für andere als durch Selbstverwirklichung, von Aufopferung als von Ermächtigung geprägt. Doch dies ist noch nicht alles.

Wurde der Mann früher noch für seine Leistungen in der Gesellschaft geschätzt, so hat sich dies in den letzten Jahrzehnten stetig und immer deutlicher gewandelt. Immer mehr spürt man wie systematisch und gezielt am gesellschaftlichen Stand des Mannes rumgesägt wird. Wie viel Mühe sich gewisse Kreise geben, jeden positiven Aspekt des Mannes ins Lächerliche und Scheussliche zu ziehen und seine negativen Seiten über zu betonen.

Doch wir verlassen uns nicht nur auf Gespür oder Gefühl. Je mehr und vor allem je tiefer man sich mit der Lage des Mannes in unserer Gesellschaft beschäftigt, desto höher türmen sich die Berge von Beweisen und Fakten, die ein äusserst beunruhigendes Bild hinter der glänzenden Fassade medialer Einseitigkeiten und misandrischer Vorurteile prägen.

Diese Beweise und Fakten zusammenzutragen und somit das unverfälschte Bild des modernen Mannes in einem ihm gegenüber stetig feindlicher werdenden Gesellschaft akkurat wiederzugeben ist eine wesentliche Aufgabe der Söhne von Perseus. Sie öffnen uns die Augen und lassen uns die Dinge unverfälscht sehen, damit wir aus ihnen die notwendigen Schlüsse und Folgerungen ziehen können.

Warum gerade die mythologische Figur des Perseus? Was ist so besonders an ihm? Perseus ist berühmt im Zusammenhang mit der Medusa, einem Monster mit unzähligen Schlangen auf dem Kopf und einem Anblick, der jeden zu Stein erstarren lässt, der ihm ansichtig wird. Schlussendlich besiegte Perseus die Abnormität mit einem Spiegel, der die versteinernde Wirkung ihres Anblickes auf sie zurück warf.

Was bedeutet dieser kleine Einblick in die griechische Mythologie für uns? Diese Geschichte zeigt uns die verheerende Wirkung einer schonungslosen Darstellung und Konfrontation der Bestie mit der Realität! Wenn wir von nun an mit anderen Augen durch die Welt laufen, so können wir uns sicher sein, dass nur eine fundierte und sachliche Argumentationsführung den Mann von seinen sexistischen Fesseln aller Art befreien wird. Jeder emotionale und verletzende Ansturm im Affekt schadet diesem wichtigen Unternehmen nur.

Begleitet mich bei diesem Aufstieg und ihr werdet sehen, dass sich die Reise für uns alle lohnt. Egal ob ihr mir zustimmt oder mich am liebsten zum Schweigen bringen wollt. Denn eine kritische Reflexion des gesellschaftlichen Männerbildes wird jedem von uns neue Sichtweisen eröffnen, die wir vorher aus blinder Furcht oder sturer Verweigerung gemieden haben.